Wir brachen bei Zeiten auf. Mein Dromedar lebte einmal noch, und zappelte unter mir weiter, damit doch die Augen des Hauptmanns, nein, ich sage, unsers Schicksals trocken werden. Wir hatten den ganzen Tag Sandhügel vor den Augen, und wären diese wirklich naß geblieben, so hätte es uns an Stoff nicht gefehlt, sie trocken zu streuen. Der Weg führte uns über mehrere Hügel und war beschwerlich wegen des lockeren Sandes. Das Thier glitt bei jedem Schritte einen halben Fuß tief in denselben. An der Post Duedâr, welche an die Abendseite eines Hügels sich lehnt, ritten wir vorüber.
Um meinem armen Thiere Erleichterung zu verschaffen, stieg ich hier ab. Mein Gehen war außerordentlich mühselig, gerade so, wie bei uns, wenn der Schnee sehr weich ist, daß man mit dem Fuße tief einsinkt und rutscht. Wie der Sandstaub, so ist eine lügenhafte, trügerische Seele ohne Festigkeit, ohne Halt, ohne Zusammenhang. Ich dauerte das Reisen zu Fuße nicht lang aus; denn ich fühlte Leere im Magen, und bald drückte die Hitze. Den Weg fand ich übrigens ziemlich angenehm. Fortan waren in den Sand die Sodagewächse gesteppt, worin sich die Vögel belustigten. Bald sprang Gewild vorüber, wenigstens Gazellen und ein Schakal (Fuchs). Auf dem meistens deutlichen und breiten Wege durchmusterte ich die Stapfen der Menschen und Thiere, oder die Kameelgerippe, welche, wie gebleicht, auf dem ganzen Wege oft wahrzunehmen sind. Allerdings athmet mehr Leben in der Wüste, als auf dem Meere; selten aber begegnete uns ein Sterblicher.
In der kleinen Oase (Wüsteninsel) Bir-Anoß, welche die Dattelbäume freundlich stimmen möchten, kehrten wir an, uns zu erfrischen. Hier ergötzte mich ein Spiel der Kinder. Sie spießten an drei Datteldorne eine Dattel. Da vergruben sie Datteln nahe an einander in den Sand. Jetzt warf Einer nach dem Andern jene drei an der Dattel vereinigte Dorne nach den unsichtbaren im Sande vergrabenen Datteln, und wer am meisten an den Dornen hervorzog, trug den Sieg davon. Das Spiel will eben nicht viel Gewandtheit, und zeugt von Gewinnlust.
Als wir dann weiter rückten, entzückte mich ein Palmenwäldchen am Fuße der Morgenseite eines Hügels. Die Schalmei erklang lieblich aus dem einsamen Haine. Dort waren Hirten angesiedelt. Diejenigen Araber, welche die Freiheit der Unterwürfigkeit vorziehen, entfernen sich lieber von den Menschen, als daß sie nach den Gesetzen und Launen eines Fürsten leben. Daher wurde selbst die Wüste zum Theile bewohnt. Mich mahnte oft die Wüstenei an unsere Berge und die Leute der Wüste an unsere Bergleute. Einst trieb die Freiheitsliebe die Allemanen vom Rheine auf die Berge der Schweiz. An beiden Orten, in der Wüste der Berge wie der Niederung, waltet mehr oder minder Oede für ein einsiedlerisches Leben. Es ist denkbar, daß man sich an die mit Sodagewächsen bekleidete und mit Hügeln bedeckte Sandwüste ohne viel Ueberwindung gewöhnen könne.
Es verdient, bemerkt zu werden, daß in dieser Gegend die Sandhügel, ihrer eigenthümlichen Form wegen, Pyramiden gleichen. Dieselben sind so glatt vom Winde ausgeblasen, wie unser Schnee oder unsere Windwehen. Sie ziehen im Allgemeinen von Osten nach Westen.
Ehe wir die Post erreichten, genossen wir auf dem letzten Hügel eine sehr ausgedehnte und wahrhaft erquickende Aussicht — Wieder etwas Wassermangel. — Der Dromedar trug mich bis hieher die meiste Zeit, und mit Leichtsinn vergaßen wir bald den gestrigen Kummer.
Wir entschlossen uns, in Kâtyeh zu übernachten. Man wies uns in der Post ein Zimmer an. Es waren so eben auch Mann, Weib und Kinder eingetroffen. Um sich das Reiten bequem zu machen, saßen sie in geflochtenen Kasten (Schekdof), einander das Gleichgewicht haltend. Die Frau begab sich in das Harem.
Kâtyeh ist ein kleines Dorf mit zwei kleinen Moscheen ohne Minaret. Die Gebete werden an denselben gar fleißig und laut vom Muezeinn (Thürmer) gesungen. Abends, etwa anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang, glaubte ich in der Schlaftrunkenheit den Nachtwächterruf zu hören; ich vernahm die silberne, lieblich ernste Stimme des Asche (des fünften Gebetes). Die Wohnungen der Dorfleute, einfacher als alle, so ich bisher sah, sind ohne Dachung. Dattelblätter bilden die große Einzäunung einer Vorrathskammer; darin lag eben ein Haufe Mais. Weil aber der Wind bisweilen den Sand hineinstäubt, so werden die Leute genöthigt, den letztern von Zeit zu Zeit wegzuseihen. Der Vorrathskammer schließen sich die Wohnungen in Form des griechischen Π an; sie sind mithin auf einer Seite ganz offen für Sonnenhitze und Regen.
Auf die Kunde, welche sich in dem wilden Dorfe verbreitete, daß ich ein Arzt sei, kam ein etwa fünfzigjähriger, dürrer, kinderloser Mann mit seiner zum Geschenke bestimmten, rothen Mütze voll Datteln, mich zu fragen, was zu thun sei, damit er Kinder bekomme? Ich hätte den Mann mir jung gewünscht, um wegen einer Antwort nicht in Verlegenheit zu gerathen. Als ich in der Runde spazieren ging, schauten die Weiber und Kinder wie närrisch meine gelb metallenen, glänzenden Knöpfe an, und als ich ihnen meine Taschenuhr zeigte, so sperrte die Bewunderung gar im höchsten Grade ihre großen Augen auf. Laut lachten die weitmundigen, entschleierten Weiber.
Den 12.