Der Kalkstein senkt sich von Südwest nach Nordost, und guckt mit seinen Höckern hie und da hervor. Die Erde ist fahl bis gegen Ramle, wo sie röthlich zu werden beginnt.

Etwa an acht Dörfern auf der Ebene Sephelah kam ich vorüber. Wie nahe ich an den alten Ortschaften Askolon, Astod, Gath, Jabueh und Ekron vorüberritt, vermag ich freilich nicht zu bestimmen. So viel ist gewiß, daß kein fließender Bach, weder der Eschkol (Traubenbach), noch der Jarkon, überschritten wurde, und die gerühmten Weinpflanzungen entgingen meinem Auge. Die Häuser Sephelahs stehen alle städteartig beisammen. Weil sie niedrig und die Dächer bauchig oder gewölbt sind, so erkennt man von der Ferne ein Dorf mit einiger Schwierigkeit; anders verhält es sich, wenn der Giebel hoch aufragt. Das palästinische Dorf sieht häßlich aus. Die Häuser sind von unbearbeiteten Steinen aufgeführt, die Dächer derselben sehr dick, mit einer feuerfesten Rinde von Erde, so daß sich darauf hie und da ein geschlossenes Grün ansetzt. Dieser Umstand vermehrt noch die Schwierigkeit, mit der man ein Dorf aus der Ferne erkennt.

Die Weiber auf dem Felde, deren Gesichter ich mit meinem Auge gleichsam erhaschen konnte, waren hübsch. Andern sah ich nur einen Streifen vom Antlitze, welches der Schleier in ein noch größeres Geheimniß verhüllte, als bei den Egypzierinnen.

Bis Ramle sind zwölf Kameelstunden. Das Thier mußte diesen Weg unaufhörlich gehen, ohne daß es Nahrung bekam. Selbst dem kleinen Esel ward kein besseres Loos zu Theil, und durch den größten Theil des Weges trug er den Führer. Die Thiere halten im Morgenlande mehr aus, als in Europa. Sind sie etwa in diesem Welttheile verwöhnt oder verzärtelt? Ich sah, erzählt Wesling, unter der heißen Sonne ziemlich locker angebundene Pferde der Beduinen mit zwei oder vier Loth Wasser für einen ganzen Tag und eine ganze Nacht hinlänglich gelabt werden.

Zwei Männer zu Esel schloßen sich nicht weit von Gaza als Reisegefährten an. Bei einem Dorfe wollte einer von ihnen links auf einen kleinen Weg mich leiten, der mir ein verführerischer Feldweg zu sein schien. Ich sagte: Nein, ritt rechts davon, und man folgte mir auf dem wirklich richtigen Wege. Etwa drei Stunden von Ramle verließen mich diese Leute, und lenkten in ein Dorf, wohin sie auch mich locken wollten. Uebrigens darf ich nicht verschweigen, daß dieser Reisegefährten einer mir eine Mütze einhändigte, die ich verloren hatte. Es scheint der gute Eindruck noch nachgewirkt zu haben, den er dadurch bekommen mochte, daß ihm ein wenig Speisen aus meinem Vorrathe dargereicht wurden. Ich gab sie zwar nicht ihm selbst, sondern dem Treiber; allein die Araber haben es im Brauche, die Speisen Andern mitzutheilen, und dem Geber in aufrichtiger Gefälligkeit erkenntlich zu sein.

Ich hätte wohl ein ganzes Register von Klagen über meinen Treiber. Er war ein junger, unbärtiger Kerl, und wußte nicht einmal den Weg nach Ramle. Darum fragte er oft darnach; darum wollte er das Uebernachten in einem Dorfe erpochen. Die Sonne war untergegangen, und ich ritt mit diesem unwissenden Jungen. Gegen acht Uhr hörte ich das Gebell eines Hundes. Dasselbe gab mir die Gewißheit, daß ich von Hunden und — folglich auch von Leuten nicht mehr ferne sei. So unwillkommen das Hundegebell sonst, so willkommen war es mir dieses Mal.

Schon zeugte der Boden von fleißigerem Anbaue; die indischen Feigen begleiteten wie ein Geländer die breiter werdende Straße; nun schon entdeckte ich Licht; das Minaret glänzte in der frei- und festtäglichen Beleuchtung; es erscholl ein Chor von Hundegebell. Völlig verschwanden meine Zweifel über die Nähe der Stadt. Unser Weg aber kreuzte sich, und der unwissende Bursche fragte deutend mich um Weisung. Ich war entschlossen, nach der Gegend, wo die Hunde bellten, zu reiten, und winkte sogleich mit der Hand.

Noch sollte mir ein kleiner Unfall begegnen. Nahe schon am Orte meiner Bestimmung trank ich gerade in vollen Zügen das süße Glück, als ein niedriger Baumzweig mir ins Auge fuhr, daß ich im Augenblicke nichts, als einige Funken sah, und daß ich wund und blau wurde. Endlich bin ich in der Stadt Ramle.

Um den Umfang des Philisterlandes zu würdigen, darf ich nur daran erinnern, daß ich es an einem Tage in seiner Länge durchritt; die Breite desselben ist nur unbedeutend. Die Erzählung von den Kriegen, welche die Juden mit den Philistern führten, ist geeignet, die Vorstellung von der Größe des Philisterlandes irre zu leiten.

Müde, aber sehr müde, gleichsam wie zerschlagen stieg ich am Stadtthore ab. Man versicherte mich, daß man beim Reiten auf einem Kameele oder Dromedare ähnlichen Beschwerden ausgesetzt sei, wie auf dem Schiffe. Dies war bei mir wenigstens nicht der Fall, ohne daß ich die Aussage eines Deutschen bezweifeln möchte, welcher dieses Reiten glatterdings nicht ertragen konnte, und daher mit dem Reitthiere zu Fuß ging. Als ein gutes Vorbauungsmittel gegen die Beschwerden, welche das Reiten etwa verursachen könnte, empfiehlt man allgemein das feste Gürten des Unterleibes. Auch ich bediente mich dieses Mittels, das mir in der That sehr behagte.