Ich hatte Empfehlungen an zwei im Dienste des Vizekönigs stehende Franken. Wie sollte ich sie bei Nacht in den menschenleeren Gassen aufsuchen? Ich ließ an einem Hause derb anklopfen. Die Stille in demselben verkündigte die Ruhe aller Hausgenossen. Doch man ließ vom Klopfen nicht ab. Zum Glücke endlich öffnete ein halb gekleideter Mann die Thüre. Er wußte die Wohnungen der bezeichneten Franken. Der Antheil nehmende, gute Mann war bald beredet, mir jene zu zeigen. Leider verfehlte ich die Franken, die sich in Akre befanden. Mir blieb nichts übrig, als in dem lateinischen Hospizium der Spanier, die man mir eben nicht zu ihrem Vortheile schilderte, Herberge zu nehmen.
Dieser Tag war ein unsriger Sommertag. Die Wolken, durch welche die Strahlen der Sonne in Strähnen brachen, arbeiteten an einem Schauer, und der Regen drohte bei der schwülen Witterung. Tags lärmten in großer Menge die Thiere der Luft, die Vögel, und Nachts die Thiere der Erde, die Insekten. Alles, was da lebt auf und über der Erde, singt Tag und Nacht das Hochzeitlied, zur Freude der Menschen.
Ach, wie war ich bei meiner Müdigkeit froh, in einer fränkischen Herberge ausruhen zu können. Von den Patres freundlich begrüßt, ward ich ins Refektorium eingeladen. Sie setzten mir Eier, Fische, Käse, Brot und Wein vor, und ich sättigte mich mit Wohlgefallen.
Den 28.
Ueber Nacht rollte Sommerdonner.
Ich wollte nach Jerusalem abreisen; allein da der Eseltreiber noch durch das Beladen der Esel mit Fischen (vom Hospizium, welches mir es verheimlichte) mich zum Warten nöthigte, und da ich unter solchen Umständen nicht glauben durfte, daß ich noch bei Tageszeit in Jerusalem anlangen würde, so blieb ich, obwohl sehr ungerne, zurück. Bereits nämlich verließ ich das Hospizium. Ich stand schon am Orte, wo die Esel beladen wurden; das Felleisen war schon aufgepackt. Ich drängte auf schnelle Abreise. Es half nichts, indem der Muchero (Eseltreiber) wähnen mochte, daß ich weder selbst das Felleisen forttragen, noch bei der schwachen Morgendämmerung das Hospiz finden werde. Der Mann aber thäte sich verrechnen. Ich hob das Felleisen auf die Schulter und trug es ins Hospiz.
Rama, Ramla oder Ramle, ungewiß das Arimathia der Bibel, ist weder hübsch, noch groß, aber in einer sehr fruchtbaren Gegend und unter einem milden Himmel. Auch hier liegen Ueberbleibsel von Alterthümern, z. B. Säulen, herum. Von der Stadt aus eröffnet sich eine köstliche Aussicht ins Gebirge Juda bis zum Ephraim.
Der Bassar ist unansehnlich. Ich konnte der Anlockung nicht widerstehen, Brot und einige Früchte zu kaufen, die ich mit Lust verzehrte.
Zum Zeitvertreibe besuchte ich das griechische Kloster, welches ebenfalls Pilger beherbergt. Der Erzpriester empfing mich mit vieler Freundlichkeit, verstand aber keine der fränkischen Sprachen, und so mußten wir uns begnügen, einander anzuschauen, was doch unstreitig viel bequemer ist, als eine auf Nadeln setzende Anrede von Komplimenten zu halten.