Wie vielmal wollte ich zufrieden sein, und wie vielmal war ich es nicht? Das kann sich so fügen: Im Augenblicke, da man eine Widerwärtigkeit fühlt, erscheint sie am größten; die vergangene tritt in dem Grade kleiner vor die Seele, als ein Gegenstand vor das Auge, der sich immer weiter entfernt.

Billig stimme ich in das allgemeine Lob auf die gute Bewirthung des Klosters. Die Speisen waren alle schmackhaft. Mir that es wehe, daß ich die in einem zinnernen Becher mir zugereichte Porzion weißen Wein wegen meiner eine strengere Lebensweise gebietenden Unpäßlichkeit nicht ganz trinken durfte. Ich kostete noch keinen edlern Wein, und ich nahm davon sogar als Arznei auf die Reise mit. Nach der Versicherung des Klosterbedienten wächst er in Bethlehem.

Der Führer um und in Jerusalem.

Zu den Sehenswürdigkeiten ist ein Führer vonnöthen. Wendet man sich — das Vorzüglichste, das man thun kann — ans lateinische Kloster, so wird es für einen Dragoman sorgen.

Die Kirche des Christusgrabes ist nicht immer offen. Deswegen muß man im Kloster darnach fragen, wann sie aufgeschlossen werde, um nicht vergeblich sich hin- und herzutreiben. Diese Kirche zu sehen, soll das erste Augenmerk sein. Zu ihrer Aufsuchung wird kein Führer gerade nothwendig. Es weiß den Tempel Jedermann. Viele auf der Gasse verstehen italienisch. Doch in der Grabeskirche selbst bedarf man einiger Anleitung.

Man schlägt mit dem Führer folgende Wege ein:

1) Um die Stadt. Durch das Thor von Damaskus zur Jeremiasgrotte. Dann zu den Gräbern der Könige. Nun richtet man sich gegen das Josaphatsthal; man überschreitet die Kidronbrücke. Jetzt nach einander die Grabhöhle Mariens und der Apostel, sowie der Garten Gethsemane. Hernach auf den Oelberg. Herab zu den Gräbern Absaloms, Josaphats und Zachariassen. Zurück über den Kidron. Unter dem Moriah (Moschee Omars) die Brunnen, insbesondere derjenige Siloahs. Auf letzterem Wege lasse man sich das blinde Thor des, wie man vorgibt, ehemaligen Salomonstempels zeigen. Jetzt ersteige man den Zion; die Hausstelle des Kaiphas und die Stelle der Davidsburg. Das Alles wird man ohne Hinderniß besuchen können; einzig die Mariengruft ist meist gesperrt. Es genügt, daß der Führer sie einmal weise. Man fragt, wann sie offen sei, und man macht allein einen Spaziergang dahin, da sie sehr leicht zu finden ist. In das Dunkel der königlichen Gräber und des Siloahbrunnens muß man sich leuchten.

2) In der Stadt. Wir waren schon in der Kirche des Christusgrabes. Unweit von hier glaubt man den Palast des Pilatus; man gehe durch die sogenannte Schmerzensgasse bis zum vorgeblichen Palast des Herodes und zum sogeheißenen Kerker Christi. Von da begibt man sich in die Nähe der Omarskirche, die man doch von außen ein wenig besehen kann.

Der Führer wird nicht umhin können, mannigfaltige Erinnerungen und Erzählungen, z. B. von heiligen Eindrücken in Steinen, von Häusern heiliger Weiber und Männer, an die Wege zu knüpfen. Ich geleitete bloß zum Sehenswürdigsten.