Die bisher berührten Grußweisen der Palästiner umfassen bloß das alltägliche Leben.
Auf Sitzen zur Rechten oder Linken wird nicht geachtet.
Nach Empfang dargereichter Speisen und Getränke bezeugt man in der Regel keinen Dank. Nur nach dem Kaffee hallen die Worte des Dankes: „Möget ihr euch immer erhalten.“ Trinkt der Gast Wasser aus dem Kruge (Bardaka), was allezeit ohne Absetzen geschieht, so rufen sämmtliche Anwesende: „Wohl bekomme es“, und jener erwiedert: „Ich sage Dank.“ Also bei Mohammetanern und Christen. Beim Lebenswasser (Aquavit) verhält man sich stumm.
Begegnen sich die Frauen außer den Häusern, so sind sie still und rühren sich nicht. Macht eine Frau einen Besuch, so entschleiert sie sich beim Eintritte in das Zimmer, und eröffnet das Gespräche mit den Worten: „Ich komme, euch zu sehen.“ Die Frau, welche den Besuch annimmt, lüftet auch ihrerseits den weißen Gesichtsschleier und antwortet: „Willkommen.“ Da wird denn nach dem Befinden, nach den Kindern und nach Andrem gefragt, obendrein viel eitel Zeug geplaudert, etwas Süßes, etwa Konfekt, genascht oder auch eine Pfeife geraucht. Kürzer, als drei oder vier Stunden dauern die Frauenbesuche nicht. Die Mohammetanerinnen besuchen einander seltener, als die Christinnen.
Die Brautwerbung und die Hochzeit.
Will der Jüngling oder Mann heirathen, so geht sein Vater, seine Mutter, sein Bruder, seine Schwester oder ein anderer Verwandter oder ein Freund zum Pfarrer, diesem das Vorhaben zu offenbaren, unter Bezeichnung des Mädchens, welches zu heirathen gewünscht wird.
Darauf begibt sich der Pfarrer zu den Aeltern des Mädchens, den Heirathsantrag zu hinterbringen, und Auskunft zu verlangen, ob man ihn annehmen wolle oder nicht, und sucht dann den Brautwerber in seinem Hause auf, um demselben die Antwort zu vermelden. Im bejahenden Falle schickt die Familie desjenigen, welcher den Heirathsantrag stellte, sich jetzt an, einen Gesichtsschleier (zu 30 bis 35 Piaster) oder auch zwei Schleier nebst einem goldenen Fingerringe zu kaufen. Die weiblichen Mitglieder der Familie des Brautwerbers gehen, in Begleitung vieler Frauen, mit den eingekauften Kostbarkeiten zu der Familie des Mädchens, um sie diesem als Geschenk einzuhändigen. Bei dem Besuche benimmt sich die Holdselige ungemein schüchtern, sanftmüthig wie ein Lamm; keinen Laut läßt sie hören; sie ist rein wie ein Engel. Um so munterer sind die Frauen, welche auf Besuch kommen; sie lachen und scherzen und singen wohl auch.
Danach veranstalten die Aeltern des Mädchens einen Gegenbesuch in das Haus des Brautwerbers. Der Vater ladet Männer und die Mutter Frauen, nie aber unverheirathete Frauenzimmer ein. Im Hause des Brautwerbers treten die Männer in ein besonderes Gemach, und so die Frauen. Grüßend sagt man zu ihm: „Gesegnet,“ und diejenigen Frauen, welche sich nicht enthüllen, sagen es auch seiner Mutter. Das Mädchen bleibt eingezogen zu Hause. Die Gäste, wenigstens die Männer, vertreiben die Zeit mit Rauchen und Kaffeetrinken, mit Konfektnaschen und Plaudern.
Nach dem Gegenbesuche geschehen zwei Monate hindurch keine weitere Schritte, und zudem wartet man auf ein großes Fest, um der Braut ein Geschenk zu überbringen. Dieser Besuch, der dritte und letzte vor der Hochzeit, heißt auf arabisch schỏfe (die Sicht), und ist der Vorbote baldiger Vermählung. Das Geschenk hält an Werth von einigen hundert bis auf einige tausend Piaster. Es besteht aus ungeschnittenem und ungenähtem Kleidungsstoffe, so wie aus einem Kleinode zur Zierung der Stirne oder anderer Gebilde des Körpers. Die Reichsten ergreifen diesen Anlaß, um den Glanz ihrer Diamanten zu verbreiten. Es ist die Mutter des Bräutigams, welche, am erwarteten großen Feste selbst, das Geschenk der Braut überreicht und zwar so, daß sie unter spaßhaften Bemerkungen das Kleinod der Braut auf der gehörigen Stelle anlegt. Das schỏfe dauert etwa zwei Stunden.
Nun bereitet man sich zur Hochzeit vor. Die Aeltern des Bräutigams und der Braut besprechen den festlichen Tag. Vom Heirathsantrage bis zum Hochzeitstage verfließt gemeinhin ein Jahr, selten nur ein Vierteljahr. Dreimal kündigt der Pfarrer die Hochzeit ab. Am Sonnabende vor dem Vermählungstage wird die Reinigung durch die Bäder vorgenommen. Die Braut sendet, zum Zeichen der Einladung, an jede Frau ein Stück Seife. Bei Männern ist dieses Zeichen eine Kerze, umhüllt von einem Zettelchen, worauf der Karakter des Gastes (z. B. französischer Konsul, Schulmeister) geschrieben steht. Die Braut besucht mit den Frauen, der Bräutigam mit den Männern, die einen und die andern in gesönderten Schaaren, ein öffentliches Bad. An diesem glücklichen Orte bekommt die Mutter oder die Schwester des Bräutigams die Entschleierte zu sehen, und sie mögen dann zu Hause dem Sehnsuchtsvollen die Entdeckung der Schönheit oder Häßlichkeit mittheilen. Darauf am Sonntagsabende gehen die einen Männer in das Haus des Bräutigams, die andern und die Frauen in dasjenige der Braut, wo sie sich in das Frauenzimmer scheiden. Die Nacht wird in gespannter Erwartung hingebracht.