Die Gassen sind enge und krumm. Ueber denselben wölbt sich an manchen Stellen von einer Häuserreihe zur andern eine schmale Bogenbrücke, jene zu verbinden, und so eher den Schaden der Erdbeben zu verhüten, die, wie sie in den alten Zeiten, z. B. beim Sturze der Riesensäule, ihre Stärke durch Verheerungen ankündigten, so bis auf den heutigen Tag von den Rhodiern gefürchtet werden.
Der Kai ergötzte mich mit seinem feinen Straßenpflaster, das überhaupt in der Stadt sehr schön ist, selbst mit seinen wohlgemeinten Zierereien nicht überall in den Hauptstädten Europens Nebenbuhler findet. Es drängt sich das schneidende Gegentheil auf: In Syrien die elendesten Gassen, in Rhodos reine und zierliche. Die Pflaster sind wohl eine der Hauptzierden und ein Ehrenpunkt bei den Rhodiern. Man betritt sogar hübsch gepflasterte Landwege. Man hat Ursache, das Lob, das Salomo Schweigger vor drittehalb Jahrhunderten dem Pflaster spendete, vollkommen zu bestätigen. Die Bassar sind schön, gewiß schöner, als viele der unsrigen, aber nicht sehr belebt. In einigen Gassen frohlockt als ein Siegeszeichen der Christenfeinde eine Gruppe sehr großer Steinkugeln, die von den türkischen Erobern hereingeschleudert worden.
Die Stadt wird von einer mehrfachen Mauer und einem doppelten Wallgraben umzingelt. An den sehr starken Thoren, wie an andern Theilen des Festungswerkes, sind die Spuren der alten christlichen Machthaber, der Johanniter-Ritter, noch nicht ausgelöscht. So erblickt man über den Thoren Kreuze, welche den Verehrern des Halbmondes wenig Anstößiges darzubieten schienen. Wie bald würden manche Christen Mond und Sterne zerstören, sobald sie ein Mond- und Sternland unter ihre Botmäßigkeit gebracht hätten. Ich sah über einem Thore, selbst in halb erhabener Arbeit, das Bild eines Mannes, wenn ich nicht irre, des Apostels Paulus. Ich verwunderte mich um so lebhafter darüber, als bekanntlich sonst der Islam die Erzeugnisse der bildenden Künste nicht duldet.
In und bei der Stadt bewegen sich mehrere Windmühlen; eine neben einer großen, in den Felsen geteuften uralten Zisterne.
Das Leichenfeld.
Rings um die Stadt von Meer zu Meer streicht der Leichenacker. Den Leichen räumen die Mohammetaner ungemein viel Feld ein, weil sie ungerne ein altes Grab ruhestörerisch aufzubrechen scheinen. Das steppenartige Weichbild bewirkt daher wegen der vielen Steine einen unangenehmen Eindruck. Es würde dieser allenfalls leidlich gemildert, wenn die Grabsteine, wie die Gebäude, zu Rathe gehalten und vom Zerfalle gerettet würden; allein deswillen ladet man keine Sorge sich auf. Der eine Leichenstein steht gerade aufrecht und schön erhalten mit einem wohlausgehauenen und hohen Turbane, der andere ist halb, der dritte ganz umgestürzt, ein vierter zertrümmert, und zwischen den in frommer Erinnerung an die Verstorbenen gesetzten Zeichen lockt wucherndes Gras das Vieh zur Weidung daher. Soll in der wilden Zerfallenheit der Grabmäler etwa das Sinnbild sich abspiegeln, daß eben noch hinfälliger und vergänglicher die Hülle des Menschen sei, als der fallende und zerbrechliche Stein? Eine solche Betrachtung dürfte indessen über dem Gesichtskreise des gemeinen Muselmannes hinausliegen. Auch die Kinder, mehr oder minder der Wiederhall der Erwachsenen, beweisen, wie wenig man sich um die Leichensteine bekümmere. Zwei Buben warfen nach einem Ziele, und dieses war ein Turban auf dem Grabe. Es wäre schade, wenn die Menschen nicht stürben; sonst könnten die Rosse nicht nach Lust in den Todtenkammern zu Alexandrien ein Freudenlied wiehern, noch die Rhodier-Buben die Turbane der Gräber zur Zielscheibe der Vergnügungen nehmen.
Im Uebrigen wird in Rhodos für die Stiftung von Grabmälern weit mehr gethan, als in Jaffa, von dessen Leichenacker man das Auge am liebsten wegwendet, weil es darin vergebens sich erbauen würde; in Joppe sogar zerschneidet die Grabhügel ein Weg, als ein gepflasterter da, wo Denksteine mit Füßen getreten werden. In Rhodos gibt es auch, mitten im großen Leichenfelde, mehrere kleinere Leichenhöfe, in deren Einfangsmauer an der Außenseite dreieckige Ziegelbröckchen eingesprengt sind.
Das heilige Feld (Campo Santo) erhält das Andenken der einst für den Schiffsbau im Dienste des Großherrn gestandenen Schweden.
Die Bewohner; das lateinische Hospiz; ein Knabenspiel; große Hähne.
Die Bewohner zeichnen sich durch Schönheit aus. Ich begegnete auffallend hübschen Frauenzimmern. Die Griechinnen verschleierten sich vor mir nicht; sie sollen sich jedoch vor dem Mohammetaner verhüllen. Es mag ersprießlich sein, daß die Schwärmerei den Gesichtsschleier befängt. Hinwieder sind die Türkinnen um kein Haar besser. Ich ging durch eine Gasse, worin mohammetanische Weiber einen kleinen Kreis, wie es schien, zu Disputirübungen bildeten; ein großer Knabe daneben ergriff ängstlich und lärmend sogleich den Schleier eines Weibes, um dessen Gesicht vor mir zu verbergen. Ich brach in Lachen aus, und kehrte den närrischen Leuten den Rücken. In der höflichern Manier ist der Rücken der abendländische Schleier des Gesichtes.