Die ganze Statthalterei zerfällt in vier Paschalik: dasjenige von Tripolis und Akre, Aleppo und Damaskus. Zu letzterem gehört das alte heilige Land. Alle Paschalik wurden im Jahre 1833 von Ibrahim-Pascha, dem Stiefsohne des Vizekönigs von Egypten, erobert und demzufolge vom türkischen Kaiser demselben abgetreten.

Haleb und Damask übertreffen an Größe und Wichtigkeit weit alle übrigen Städte Syriens. Am Mittelmeere ist Beirut (Berytus) noch am wichtigsten mit seinem ziemlich sichern und geräumigen Hafen, in den europäische Kauffahrer nicht sehr selten einlaufen.

Beinahe von allen Kriegen des elften, zwölften und dreizehnten Jahrhunderts, als den blutigen Begleitern der Kreuzzüge, wurde Syrien heimgesucht; am drückendsten die drei Städte Jaffa und Akre und Damaskus. Bis auf den heutigen Tag sind die Spuren von den Waffen und dem Aufenthalte der alten Kreuzfahrer, welcher Jahrhunderte lang dauerte, nicht verwischt.

Nun einige Bemerkungen über die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Bewohner in Syrien.

I. Der Mohammetanismus heißt auch Islamismus, nach dem arabischen Worte Islam, welches Ergebenheit in Gott bedeutet. Vom berühmten Mohammet gestiftet, begann er in Arabien gegen das Jahr 611 der christlichen Zeitrechnung. Wie damals das Juden- und Christenthum unter den Arabern große Fortschritte machte und der Stamm, dem Mohammet angehörte, der Abkunft von Abraham und Ismael sich rühmte, so glaubte der neue Prediger beiden Religionen einige Grundansichten abborgen zu dürfen, um sie in diejenige Religion überzutragen, welche er zu stiften im Begriffe war. Er nahm das alte und neue Testament großentheils an, indem er Moses, David und Jesus als Gesandte Gottes anerkannte. Er aber ging von der Ansicht aus, daß ihre Lehren mit der Zeit verderbt worden seien, und behielt sich darum vor, der wahren Verehrung des höchsten Wesens auf dem ganzen Erdkreise Bahn zu brechen.

Die Hauptglaubenslehren des Islams sind: Es ist nur ein Gott (Allah uhu) und außer Gott ist kein Gott, und Mohammet ist sein Prophet (Nabi). Es gibt böse und gute Engel. Jene verfolgen unablässig den Menschen, damit er Böses thue; diese sind von Gott beauftragt, ihn auf dem Wege der Versuchung im Guten zu unterstützen. Das Schicksal eines Jeglichen, das Gute, wie das Böse, ist vorausbestimmt und erfolgt unabänderlich, was man Fatalismus heißt. Die Seele ist unsterblich, und am jüngsten Gerichte wird Jeder den Lohn nach seinen Werken empfangen. Unter dem heißen Himmel gleichsam glühend, suchen die Moslim ihr größtes Gut in den sinnlichen Vergnügungen und glauben auch, daß die Auserwählten des Himmels inmitten frischer Gebüsche, am Gestade lauterer Bäche, am Rande reicher Brunnquellen ruhen, umgeben von den verführerischen Huris mit ihren schönen, immerdar jugendlichen Augen, umkoset von jenen Jungfrauen, welche nichts zu thun haben, als den Seligen Genuß zu verschaffen.

Die Hauptsittenlehren sind überhaupt Ehrerbietung, Vertrauen und Gehorsam gegen Gott, Gerechtigkeit, Versöhnlichkeit und Mildthätigkeit gegen die Menschen und Gehorsam der Kinder gegen die Aeltern. Insbesondere aber wird den Gläubigen vorgeschrieben: 1) Die Reinlichkeit, zumal durch die Waschungen. 2) Das Gebet. Es wird im Tage fünfmal verrichtet, allein oder mit Andern und wo? ist freigestellt; nur am Freitage muß es in der Moschee oder in Versammlung geschehen. Obgleich dieser Tag der eigentlich Gott geweihete Tag ist, so können dennoch die Gläubigen an demselben die Zeit vor und nach dem Gottesdienste mit Arbeiten zubringen, welche jeder Stand und Beruf erfordert. Lediglich zwei Feste verlangen gänzliche Ruhe der Arbeit, nämlich das große und kleine Bairam. 3) Das Fasten durch einen Monat (Ramasan), während dessen man die ganze Tageszeit hindurch weder Speisen, noch Getränke zu sich nehmen, selbst nicht Tabak rauchen darf. 4) Das Entrichten des Zehnten. 5) Die Wallfahrt nach dem Heiligthume zu Mekka, welche jeder freie Mohammetaner wenigstens einmal in seinem Leben unternehmen soll, insofern seine Gesundheit es zuläßt.

Das Beispiel der alten Araber und Ismaels, des Sohnes Abrahams, befolgend, verrichten die Mohammetaner die Beschneidung. Sie unterscheiden nach Moses die unreinen Thiere. Der Islam verbietet den Genuß des Weins und jedes andern berauschenden Getränkes. Hingegen gestattet er dem Manne zur nämlichen Zeit vier Weiber und daneben so viel Beischläferinnen (Sklavinnen), als er halten will oder kann.

Die Lehren und Vorschriften der Moslim stehen geschrieben in einem Buche, welches man nach dem Arabischen el-Koran nennt. Die Anhänger geben vor, daß die verschiedenen Abschnitte dieses Buches von Zeit zu Zeit Mohammet, ihrem Propheten, von dem Erzengel Gabriel geoffenbaret worden seien. Ausgenommen die Lehrsätze des Glaubens, handelt der Koran auch von der Sittenlehre, von der Ehe, von der Scheidung, der Nachfolge. Mit einem Worte, er vertritt, in dem religiösen Gewande, mehr oder minder ein Zivil- und Kriminalgesetzbuch. Da er arabisch abgefaßt ist, so wurde diese Sprache die heilige der Perser, Türken und anderer mohammetanischer Völker, welche sämmtlich darin übereinstimmen, daß sie ihre Zeitrechnung mit der im Jahre Christi 622 erfolgten Flucht Mohammets von Mekka nach Medina beginnen. Diese Zeitrechnung nennen sie Hedschra, was Auswanderung oder Flucht bedeutet. Das Jahr der Mohammetaner ist übrigens ein Mondenjahr, das heißt, es zählt elf Tage weniger, als das unsrige.

Unter den Mohammetanern gibt es ebenfalls Leute, welche ein frommes Leben in der Zurückgezogenheit wählen. Diese Art von Mönchen wird mit einem Namen belegt, welcher einen Dürftigen bezeichnet; im Arabischen Fakir, im Türkischen und Persischen Derwisch. Diejenigen, welche sich einem beschaulichen Leben überlassen, tragen den Namen Ssûfi. Die mohammetanischen Mönche bilden verschiedene Orden, deren Alter auf die ersten Khalife zurückreicht. Die meisten Brüder, wie sie sich gegenseitig nennen, haben ein strenges Noviziat und lange Prüfungen zu bestehen, bevor sie in den Orden aufgenommen werden. Viele leben gemeinsam in einem Kloster; Andere führen ein Einsiedlerleben; noch Andere lassen sich in einer Gegend nieder, oder ziehen Land auf Land ab. Allen steht es frei, ihren Stand zu ändern und das Leben so einzurichten, wie es ihnen am beßten gefällt. Die meisten Brüder, welche einem beschaulichen Leben sich ergeben, befleißen sich einer Weltüberwindung, die man nicht weiter treiben könnte, und beträchtlich ist die Anzahl Bücher, worin ihre Hirngespinste verzeichnet sind. Die anderen Brüder dagegen, welche die Welt lieben, leben zügellos, und man vermag nichts so Ausschweifendes auszusprechen, das von ihnen nicht begangen würde. Solche heißen Kalendris und Santone.