Die mohammetanische Kirche war zu allen Zeiten in viele Sekten gespalten, welche, nicht besser, als die Christen gegen einander, sich grausam bekriegten. Der Krieg hob gleich nach dem Ableben Mohammets das Haupt empor. Der Prophet vergaß, seinen Neffen und den Gemahl seiner eigenen Tochter Fatima, mit Namen Ali, zu seinem Nachfolger zu erklären. Als daher die Anhänger Mohammets das Khalifat nach einander Abubeker, Omar und Othman übertrugen, gab es damals Rechtgläubige, welche wider die Ungerechtigkeit Lärm schlugen und sich weigerten, einen andern für einen gesetzlichen Fürsten anzuerkennen, als Ali. Wie dann später dieser zum Khalifen erhoben ward, warfen sich viele von den Widersachern gegen ihn auf, und der Bürgerkrieg tränkte mit Blut alle Gegenden, in welchen das neue Gesetz Eingang fand. Dies ist der Ursprung der beiden Hauptsekten, in welche heute noch die Anhänger Mohammets zerfallen, und welche von diesen durch die Namen Sunniten und Schiiten unterschieden werden.

II. Das Judenthum zählt eine große Anzahl von Gläubigen fast im ganzen Morgenlande, vorzüglich aber in Syrien, wo viele von ihnen heilig gehaltene Denkmäler angetroffen werden. Diese Religion nimmt keine andere Offenbarung an, als die Jehovas durch Moses und die Propheten für das auserwählte Volk. Die Juden, oder, wie man sie auch heißt, die Hebräer oder Israeliten betrachten in Gott nur eine Person. Ihre heiligen Bücher sind das alte Testament, zum größten Theile in hebräischer Sprache geschrieben. Sie erwarten die Ankunft eines Messias, welcher für die Gläubigen ein großes Reich gründen soll. Sie nehmen die Beschneidung vor, haben viel Zeremonien und heiligen den Sabbath. Als sie Judäa im Besitze hatten, standen ihnen Opferpriester vor, genannt Leviten nach dem Stamme Levi. Statt derselben lehren nun Meister in der Schrift, unter dem Namen Rabbiner, in den Synagogen oder in den jüdischen Tempeln das Gesetz. Auch diese Religion zählt ihre Spaltungsgläubigen. Am meisten geltend machten sich die Talmudisten und Rabbinisten, letztere so geheißen wegen ihrer Achtung für die Lehren der Rabbiner, erstere wegen ihrer Verehrung des Talmud, eines Buches, das viel gute, mitunter aber auch wenig gesunde Dinge enthält.

III. Mitten unter Mohammetanern und Maroniten leben die Drusen auf den Bergen Libanon und Antilibanon. Sie machen aus ihrem Glaubensbekenntnisse, einem bunten Gemische christlicher und mohammetanischer Religionsvorschriften, ein großes Geheimniß. Sie hassen die Mohammetaner, bekennen sich aber äußerlich doch zum Islam. Sie wollen die Nachkommen jener Christen sein, welche in den ersten Zeiten des Nazarenismus über den Jordan sich zurückgezogen hatten. Die Akal sind eine Art Priester; selbst Weiber werden in den Orden der Akal aufgenommen. Dieselben stehen dem Gottesdienste in den Kapellen oder Khalue vor. Die Kinder werden bei den Drusen nicht beschnitten. Gastfreundlichkeit wird an dieser Völkerschaft vor Allem gepriesen.

IV. Unter den eigentlichen Christen versteht man solche, welche, ohne an die Lehren Moses und der Propheten sich ausschließlich und streng zu binden, an die Offenbarung im neuen Testamente, an Christus, an die Vergebung der Sünden und an die Auferstehung des Fleisches glauben. Sie nehmen die Taufe vor und feiern den Sonntag. Von so vielen Glaubensbekenntnissen, in die sich die Christen theilen, nimmt man in Syrien neun wahr, welche sämmtlich einige Priester in Jerusalem und zum Theil im großen Tempel des Christus-Grabes unterhalten.

1. Die griechische oder morgenländische Kirche. Die Hauptunterschiede derselben von der römisch-katholischen Kirche betreffen die hierarchische Selbstständigkeit außer der Linie der päpstlichen Oberherrschaft, die Lehre, wonach der heilige Geist nur vom Vater ausgeht, das Abendmahl unter zwei Gestalten und die Priesterehe. Die Griechen haben sieben Sakramente, welche sie Geheimnisse nennen; allein sie verknüpfen damit nicht den gleichen Begriff, wie die Lateiner. Sie betrachten nur zwei als von Gott eingesetzt, nämlich die Taufe und das Abendmahl. Die übrigen fünf Sakramente halten sie für Anordnungen der Kirche. Sie verrichten die Firmelung zugleich mit der Taufe, welche letztere in einer dreimaligen Eintauchung des ganzen Körpers in Wasser besteht. Sie verwerfen die Unauflöslichkeit der Ehe, z. B. bei Ehebruch, und sie verbieten das Heirathen zum vierten Male. Sie unterwerfen sich den strengsten und den härtesten Bußübungen. Sie halten an den Beschlüssen der ersten und zweiten nizänischen, der ersten, zweiten und dritten konstantinopolitanischen, der ephesischen und chalcedonischen ökumenischen (allgemeinen) Kirchenversammlung. Der ökumenische Patriarch in Konstantinopel gilt als das Oberhaupt der nicht-russischen Kirche.

2. Die armenische Kirche, welcher beinahe alle Armenier angehören. Diese Christen begehen wenig Feste, und verwerfen die Verehrung der Heiligen. Sie haben etliche Patriarchen. Der erste unter ihnen führt den Titel: Katholikos, und hat seinen Sitz in Etschmiazim bei Eriwan. Ihre Abweichungen von der lateinischen Kirche stimmen mit denen der griechischen ungefähr überein. Viele Armenier traten in den Schooß der römischen Kirche.

3. Die Kopten, die auch unter dem Namen der Christen von Egypten, Nubien und Habesch bekannt sind. Diese Monophysiten haben die Verehrung der Bilder angenommen, und zwei Sonderbarkeiten zeichnete sie aus: Sie behielten, obschon sie die Taufe einführten, die Beschneidung bei, welche indeß mehr als angeerbte alte Volkssitte, denn als religiöse Zeremonie angesehen werden darf; sie heiligen den Sonntag und einen Theil des Sabbaths. Ihr Patriarch, ziemlich arm, hat seinen Sitz in Kairo, den Titel: Patriarch von Alexandrien und Jerusalem, und er bestellt für Habesch einen Generalverweser, welcher Abunak heißt.

4. Die Kirche der Maroniten, genannt nach Maron, ihrem Stifter, der im fünften Jahrhunderte lebte, und welcher der Kirche eine eigene Verfassung gab. Die meisten Maroniten halten sich am Berge Libanon und in Zypern auf. Sie unterwerfen sich den Beschlüssen der vier ersten ökumenischen Kirchenversammlungen, und erkennen in Christus eine Person und zwei Naturen. Allein als Monotheleten lassen sie diesen zwei Naturen nur einen Willen zu. Ein großer Theil dieser Glaubensbekenner schloß sich den Lateinern an, hielt jedoch beinahe an allen Gebräuchen der morgenländischen Kirche fest. Diesen Maroniten wird das Oberhaupt von Rom gegeben. Es führt den Titel: Patriarch von Antiochien, und wohnt im Kloster auf dem Libanon.

5. Die chaldäische (syrische) oder Nestorianische Kirche. Ihre Anhänger verwerfen die Beschlüsse der dritten, zu Ephesus gehaltenen ökumenischen Kirchenversammlung, wo ihre Lehre verdammt wurde. Sie nehmen in Christus zwei Personen an, und weigern sich, Marien, der Gattin Josefs, den Namen Gottesgebärerin zu verleihen. Sie verabscheuen die Verehrung der Bilder. Seit dem Jahr 1599 vereinigten sich viele Nestorianer mit den römischen Katholiken, unter Vorbehalt der Priesterehe und des Abendmahls in zwei Gestalten.

6. Die Kirche der Eutychianer oder Monophysiten heißt nur die drei ersten ökumenischen Kirchenversammlungen gut, und nimmt in Christus einzig die Mensch gewordene göttliche Natur an. Deswegen wird das Zeichen mit einem Finger gemacht.