7. Die Jakobiten. Sie nennen sich also nach Jakob Baradai, einem syrischen Mönche des sechsten Jahrhunderts, welcher in der Absicht Syrien und Mesopotamien durchzog, um die Monophysiten in eine Kirche zu vereinigen. Er brachte sie in der That unter eine kirchliche Oberherrschaft. Sie stehen unter zwei Patriarchen, unter dem syrischen zu Diarbeker oder Aleppo und unter dem mesopotamischen im Kloster Saphran bei Medin. Die Jakobiten haben mit den koptischen Christen die Gewohnheit der Beschneidung gemein, verehren die Bilder, und die meisten traten zur lateinischen Kirche über, indem sie jedoch einigen eigenthümlichen kirchlichen Gebräuchen forthuldigten.

8. Die alte abendländische, die lateinische oder römisch-katholische Kirche. Alle Welt weiß, daß sie den römischen Papst als Statthalter Jesu Christi und ihr Oberhaupt anerkennt, welchem die meisten Lateiner die Eigenschaft der Unfehlbarkeit in Glaubenssachen ausschließlich zutrauen. Die Römischen haben sieben von Gott eingesetzte Sakramente; sie verrichten die Taufe durch Begießung mit Wasser; sie nehmen beim Abendmahle die Verwandlung an; sie halten Ohrenbeichte, verehren Heilige, glauben an ein Fegfeuer, thun Werke der Buße, empfangen Ablaß der Sünden, die Mönche werden durch Gelübde gebunden, die Priester müssen im ledigen Stande leben. Die Kirchenversammlungen sind unfehlbar, nicht bloß die allgemeinen, welche vor der Trennung der morgenländischen und abendländischen Kirche gehalten wurden, mit Ausnahme des Concilium Trullanum oder Quinisextum, sondern auch viele andere. Die letzte Kirchenversammlung war in Trient vom Jahre 1545 bis 1563.

9. Man darf sich nicht wundern, daß die abendländischen Christen ohne ein sichtbares Oberhaupt der Kirche, nämlich die Protestanten, welche für die Bekehrung der Heiden eine rastlose Thätigkeit entwickeln, auch Geistliche aufweisen können, die, aus Religionsabsichten, in Jerusalem festen Sitz genommen haben.

Die Mannigfaltigkeit der Religionsbekenntnisse fordert zur ernstesten Betrachtung auf. Es ehren bis auf diesen Tag die Menschen Gott auf ihre verschiedenen Weisen, trotz des Glaubenszwanges, trotz der Bannflüche, trotz der Blutströme. Dem überstrengen Vater entläuft der Sohn im Augenblicke seiner Ermannung. Die Sadduzäer, die abendländischen Christen, die Protestanten waren nicht aus sich selbst erzeugt, sondern sie hatten ihre rechtmäßigen Erzeuger in dem Pharisäismus, in der morgenländischen Kirche, in dem römischen Papstthume. Wir feiern die Männer, welche Duldsamkeit predigen. Wie todt muß die Wahrheit der Geschichte sein. Die Duldsamkeit sollte sich wohl von selbst verstehen.

So viel als einleitende Bemerkungen.

Gaza.

Gaza, sprich Gâsa, liegt reizend auf einer kleinen Anhöhe, drei Viertelstunden vom Meere (vom alten Hafen Majumas). Gegen Aufgang stellt sich der Hebron. Bäume, Fruchtfelder und Wiesen wechseln in der Umgegend, um das Auge zu ergötzen. Eben sah ich die Kühe im Grünen friedlich weiden. Die Stadt ist nicht groß, und enthält, nach den Versicherungen des Militärarztes daselbst, Dr. Tarabra, eines durchaus kenntnißreichen und einsichtsvollen Mannes, sechs- bis siebentausend Einwohner. Die Gassen sind schmal, krumm, uneben, ungepflastert; die einen Häuser haben platte, andere dagegen kuppelförmige Dächer. Die Moschee, einst eine griechische Kirche, ist groß und schön. Man findet viele alte Ruinen, z. B. Säulen mit Knäufen, und Nachgrabungen müßten Schätze aufdecken.

Die Bevölkerung ist weiß; viele Männer zeichnen sich durch Schönheit aus; das verschleierte Antlitz der Frauenspersonen entzieht sich der Beurtheilung; die Kinder sind blaß oder gelblich. Die Bassar durchrauschet viel Leben. Unweit von denselben erblickte ich wieder die Zelte unsers Kontumaznachbars Mustafa-Bei und in ihren Sternen viel Freundlichkeit.