»Nichts – o, nichts von Bedeutung.«

»Arme Esther, du siehst so gequält aus – du mußt viel gelitten haben,« sagte die schöne Maria. Und über ihr wiegten sich segnend die blütenverheißenden Zweige, und die Blümlein freuten sich, wenn sie das Kleid der Allerschönsten streifte. –

Lothar kam in den Garten. Und wie von je suchten seine Augen Marias gesegnetes Angesicht. Aber nicht mit dem müden, schweren Ausdruck von einst kam er zu ihr – die Frohheit und Sicherheit des Glückes hatte auch ihn durchdrungen.

Esther dachte: wir sind uns so viel fremder geworden. Ich muß ihm ja nicht mehr wie damals mit Schmerzen folgen – er ist glücklich.

Und das Gefühl der Einsamkeit, das vor der ersten Heimatsfreude zurückgewichen war, durchdrang sie wieder.

Nie wird es sich aus einem Menschen löschen, wenn er einsam gewesen ist in jener bittern, schweren, sehnsüchtigen Einsamkeit, die zu keusch ist, um nach »Menschen« zu greifen.

Die lieber ihr Leid trägt, als sich an ihrer Schmerzen Heiligkeit vergreift.

Und die doch so arm und tiefgebeugt werden kann, daß sie sich sehnt, mit weggewandtem Gesicht die Hand auszustrecken, bettelnd, ohne den Geber zu sehen – um dann doch immer nur die Gabe verschmäht aus den Händen gleiten zu lassen.

Denn heiliger sind alle Schmerzen der Sehnsucht, als jede Erfüllung aus fremder Hand. –

Und sie dachte: Ich möchte dich hinabziehen zu meinen Schmerzen, zu meinen Entbehrungen und Kümmernissen. Nur daß ich dich für mich allein hätte.