Du bist mir fremd geworden in deinem Glück. Ich aber sehne mich nach Schmerz und Erdenschwere an deiner Seite.

Alle Güte war von ihr gewichen. Sie sah auch nicht die Lieblichkeit der Schwester mehr.

Sie sah Lothar mit einem dunklen Blick an. »Ich muß dich zu mir sehnen können,« dachte sie.

Seine Augen aber glitten an ihr vorüber. Und er verstand sie nicht. –

O sie wußte wohl, er war nicht von jener feilen Art, die sich durch ein Wohlgefallen von ihrer Liebe ablocken läßt, wie jener, an dem sie sich geirrt hatte –

Aber das was sie ihm bot, mußte er doch fühlen als das Kostbarste, was je ein Mensch dem andern bewahrte – die Sehnsucht eines ganzen Lebens –

Diese todesstarke Sehnsucht mußte ihn zu ihr zwingen. –

XV

Und der Frühling kam so mit Macht!

Einmal noch hatte der Winter das frühe Grün überdeckt, aber nun tauten schon wieder die Wasser von den Bergen und schossen durch das Flußbett. Weidenruten wurden im raschen Vorüberbrausen ergriffen, bogen sich, wehrten sich, wurden von der Strömung in die Länge gezogen und schnellten das Wasser peitschend zurück. Die Wiesen aber glichen Teichen, aus denen das Erlengesträuch mit hilflos erhobenen Armen emporstarrte. Und fortwährend war ein Rauschen in der Luft, als stürme die Sehnsucht durch das Land.