Ja, alle Einsamkeit wollte sterben, und in jedem Auge war Hoffnung. –
Esther fühlte sich so eng verbunden mit ihrer Heimat, mit diesem Land, wo der Frühling so anders kommt als anderwärts. Wo er kommt wie ein plötzlicher starker Wille nach langer Beherrschung, wie ein Wille, der niedergekämpft lag in langen Zeiten – niedergehalten mit ehrlicher Kraft. Und nun steht er auf – wild und riesenstark geworden, während er gebändigt darniederlag.
Esther fühlte sich so eng verbunden mit ihrer Heimat, mit diesem Land. – – – –
Und das Wasser trat zurück und leuchtete in der stolzen schimmernden Ruhe der Blütenzeit.
Wie mit weißem Schaum bedeckt standen die Bäume. Und war es nicht, als hörte man die Erde knistern unter dem Hervorbrechen der Blumen?
Alle Farben waren blank und glatt vor Unberührtheit. Ein feiner, schwebender Duft ging wie Liebesahnung durch die Natur, wurde voller und stärker und strömte zuletzt wie ein einziger tiefer Klang über alles Land. –
Hätte jetzt jemand Esther gefragt: »Ist es so? Ist es das: Du gehst umher und suchst den mit Gewalt an dich zu reißen, den du liebst – du bist schön geworden, weil du siegen willst, ist es das, Esther?« – Hätte jemand so gesprochen, so würde sie antworten müssen: »Ja, so ist es.« Und sie hätte auch noch gesagt: »Sieht mir das nicht ein jeder an? Ich bin schön geworden, weil ich seiner begehre!«
Wie eine köstliche Gewißheit trug sie es in sich, daß er zu ihr kommen würde, kommen mußte eines Tages. Ihr schien, sie hätte nicht mehr gejubelt und nicht mehr geweint, wäre es so gekommen – sie hätte es souverän entgegengenommen, als das was ihr gebührte.
Da war kein Zweifel mehr und auch kein Zurückschrecken vor dem Leid, das sie der Schwester damit thun wollte –
Es gab nur noch das eine Recht, das sie sich kraft einer todesstarken Sehnsucht errungen hatte. – –