Sie ging im Garten und hörte auf seinen Schritt. Sie wußte immer im voraus, wenn er kommen würde. Sie brauchte sich nicht einmal nach ihm umzusehen – sie kannte ein jedes Geräusch, das mit seinem Kommen zusammenhing.

An den Fliederbäumen blieb sie stehen, die ihre kleinen Blüten noch wie Fäustchen ballten.

»Bis der Flieder blüht, sollst du mir gehören,« dachte sie.

Und wenn er vor ihr stand, sagten ihre Augen: »Komm zu mir! Komm zu mir!«

Und sie ging hinaus in die Berge. Und dort, wo alle verschwiegenen Plätze ihre alten Geheimnisse kannten, warf sie sich an den Erdboden – mitten hinein in die honigduftenden, sonnengelben Schlüsselblumen und dehnte ihre festen jungen Glieder und that die Augen weit auf vor dem Licht.

Und dann fühlte sie die Liebe wie ein leises Beben am Herzen und horchte – horchte hinein in den Frühlingstag. – – – –

Einmal aber, wie sie draußen vor dem Gartenzaun vorbeiging, hörte sie dort drinnen Lothar zu Maria sprechen. Und er sagte: »Esther ist so schön geworden – anders noch als früher. Man möchte immer von ihr denken, daß sie ein beglückendes Geheimnis in sich trägt.«

Und Maria lachte. Leicht und sorglos lachte Maria. Maria, die Schönste, Maria, die Geliebteste hatte keine Antwort als ein kleines Lachen.

XVI

Und es kamen die stillen, schweren Tage des Frühsommers.