Alles Blühen wurde farbenreicher und üppig, und die Luft stand zitternd und hell über der Erde.
Es war gegen Abend.
Esther saß mit der Schwester und Lothar im Garten.
Die Vögel stießen schrille, scharfe Locktöne aus, die in der unbewegten Luft wie erstickt abbrachen.
»Es ist noch immer so heiß,« sagte Maria. »Die Büsche sind so dicht geworden und halten die Tageshitze gefangen. Wollen wir nicht einmal nach dem Berggarten sehen?«
Und sie gingen den grünen Heckenweg hinter der Stadt hinaus und erstiegen einen Berg, an dessen Hang sich Weingärten hinzogen.
Es war schon ein wenig dämmerig im Thal, droben aber lag noch das weißliche, schon abgetönte Licht des Sommerabends.
Ganz hinauf stiegen sie, bis zu einem kleinen Steinbruch, der von Schlehengestrüpp durchwachsen war.
Da hatten sie unter sich den weiten, blühenden Hang, der einmal ein wohlgepflegter Weinberg gewesen. Jetzt aber wucherten die tiefen Farben der Akelei zwischen den Reben, und weiße, scharfduftende Rosen waren im Erblühen.
Weit, weit unten lag die Stadt, aus deren Dämmern sich kleine, unsichere Lichtfunken hoben, und aus den fernen bläulichen Kornfeldern, die sich mit dem Sinken des Abends entfärbten, roch es frisch herüber.