Das Schönste aber waren die weißen Irisblüten.
Hell und gleißend erhoben sie sich dicht vor ihnen gegen den Abendhimmel.
Der Mond kam leicht und durchsichtig hinter den jenseitigen Bergen hervor und strich zögernd über den Himmel.
Die Irisblüten waren wie weiße, flackernde Flammen. Esther beugte sich tief hinab zwischen die glatten, glänzenden Stiele, die sich knirschend aneinander rieben und atmete den kühlen, unsagbar feinen Duft. Von der Nachtluft leicht bewegt, flatterten die Blütenblätter mit einem sirrenden Ton, der wie Seidenrauschen klang.
Maria erhob sich von dem steinernen Sitz und trat unter die Schwertlilien. Sie bog die Stengel auseinander und legte sich mitten unter sie.
Esther sah hinüber zu Lothar. Der blickte weit hinaus in das nächtige Land.
Aber der Nachtwind strich vorbei wie eine Sehnsucht nach kühlen, rätselhaften Geheimnissen.
»Ich liebe dich,« dachte Esther. »Ich liebe dich – –
Dringt es denn nicht zu dir? Kann meine Liebe noch für dich schweigen in dieser Nacht?«
Doch er schwieg und sah weit hinaus in das nächtige Land.