Da war ihr, als müsse sie sich jetzt erheben und zu ihm gehen und seine Hand fühlen. Als müsse sie sagen: »Komm nun zu mir, denn du bist bei mir zu Hause – bei mir allein.«

Aber sie regte sich nicht, folgte nur seinem fernen Blick.

Und es wurde ganz ruhig in ihr, ruhig wie zu einem angestrengten Horchen. Und ihr war, als sehe sie dort draußen im unbestimmten Licht zwei Seelen zusammenfließen – dort draußen – weit – zwischen Himmel und Erde.

Und ein tiefes, geheimnistrunkenes Glück verschleierte alle Wirklichkeit. Sie gab sich ganz dem Entzücken des Traumes hin.

Sie dachte: »Was geht mich die Erfüllung an und die Ewigkeit der Seligen? Liegt nicht alle Ewigkeit in diesem Augenblick?« –

Maria richtete sich halb zwischen den Irisblüten auf. »Was denkst du jetzt?« fragte sie Lothar.

Der wandte sich wie zögernd ihr zu.

»Ich dachte, wie leicht es sei, auf die Ewigkeit zu verzichten, da man sie doch fühlen kann in einem Augenblick.«

Da wußte Esther, es gab keine Täuschung mehr: Fern von der Welt der Wirklichkeit und des Bewußtseins hatten sich ihre Seelen berührt.

Und sie weinte ganz still – sie weinte die wunderbaren Thränen um eine erste bräutliche Berührung. – – – –