Es war, als lägen die Erlebnisse weiter Vergangenheiten in diesem Raum, und wer auch zu den Fenstern hinaus auf das Meer sah, bekam ganz unwillkürlich den Blick gereifter Erfahrung in die Augen. –

Luise brach plötzlich und scheu ihr Spiel ab, wie sie Esther kommen hörte.

Sie sagte: »Oh, ich glaubte mich allein im Haus,« und strich mit einer verlegenen Bewegung über die Tasten, gleich als hätte sie einen entblößten Körper zu verdecken.

»Und wolltest du nicht spielen, wenn jemand es hörte?«

»Doch – ja – nur zuweilen darf niemand zuhören.«

Esther antwortete nicht. Sie setzte sich an das Fenster, von dem aus man so weit über das Meer sehen konnte, daß es den Leuten einen gereiften Blick gab. Sie sagte erst nach einer Weile: »Was für ein Lied hast du gespielt – wenn du mir das sagen magst –?«

»Ein ganz altes Volkslied ist es – das Lied vom ›Herre Peder‹ und der Helelide.«

»Willst du mir sagen, wie es geht?«

Luise gab leise die Melodie in den zitternden Tönen des Spinetts an und sprach dazu:

»Junkherr Peder warf Runen über den Pfad,
Den Helelidens Fuß betrat.
Dann lichtet' er sein Anker,
Er hatte guten Wind,
Und segelte von Dänemark
Und seinen Frauen lind. –
Holde Worte
Erfreuen die Herzen,
Holde Worte
Verschulden die Schmerzen –
Holde Worte!
Helelide ging am Strande harrend,
In die tiefen, salzen Wasser starrend.
Dann lichtet' sie ihr Anker,
Sie hatte guten Wind,
Und segelte von Dänemark
Mit ihren Frauen lind.
Holde Worte
Haben mich tief bethört,
Holde Worte
Haben mein Herz versehrt –
Holde Worte!
Da rief der Wächter, als das Schiff in Sicht:
›Uns bringt der Wind das Sonnenlicht!‹
D'rauf hat der Junkherr Peder
Vor Freuden schier gelacht,
Als Helelide Ehre
Und Treue ihm gebracht.
Holde Worte
Bringen viele Freuden,
Holde Worte
Schaffen manche Leiden –
Holde Worte.«