Luise stand auf und trat zu Esther ans Fenster. – Esther fragte: »Waren die Runen Liebesworte, die Junkherr Peder zu Helelide sprach?«
Und Luise: »Ich weiß es nicht. Aber ich meine, wir hören zuweilen einen Menschen etwas sagen, das kaum für uns berechnet war, das gewiß in keiner persönlichen Absicht zu uns gesprochen wurde, und doch kommt es zu uns, ja es – ›verführt‹ uns.«
Esther mochte nicht Louise ansehen. Sie neigte nur den Kopf und sah wie bisher weit hinaus auf das Meer. Und ganz da draußen, dort wo die Unendlichkeit beginnt, konnten sich vielleicht ihre Blicke begegnen. Und vielleicht wurde dort das Schweigen gebrochen, das sich hier jetzt über sie legte.
Am andern Tag wurde ein Ausflug nach einem benachbarten Gutshof gemacht.
Man ging die braun-violetten Heidehügel bergan und bergab. Der Wind strich in unausgesetztem, immer gleich starkem Zug über das Land, so daß es klang wie der thränenlose Jammer des Wahnsinns.
Stärker wurden die Stimmen und klang voller in der kräftigen Luft. Auch gab der weite Horizont dem Blick eine stolze Kühnheit.
Am Gipfel des »Himmelsberges«, ein Hügel, der die andern Buchtungen um weniges überragte, lagerte man sich.
Frau Olga Bergsö, die immer Lebensvolle, versammelte ihr kleines Heer um sich. Da lag sie halb aufgerichtet an einen hohen Merkstein gelehnt, mit ihrem seltsamen Dreimaster einem Feldherrn gleichend. Feine, energische Linien begrenzten ihr Profil wie einen Schattenriß am weißlich hellen Himmel.
Ihr zur Seite rangen Julie und Alexandra, die beiden Sechzehnjährigen, im liebevollsten Zweikampf miteinander in den weichen Büscheln des Heidekrautes.