Endlich sagte sie noch: »Wie reden bei Ihnen die Leute, die sich lieb haben? Giebt es ein Lied, das von ihrer Liebe erzählt? Sagen Sie mir eins, das Sie selbst leiden mögen.«

Esther fiel ein altes kleines Liedchen ein, und sie sprach es lächelnd:

»Ich bin dein,
Und du bist mein –
Des sollst du gewisse sein.
Du bist geschlossen in mein Herze ein,
Verloren ist das Schlüsselein,
Drum mußt du ewig drinnen sein.«

Eliza ließ es sich zweimal sagen und Worte, die sie nicht verstand, übersetzen. Dann meinte sie nachdenklich: »Es ist ein schönes Lied. Ich werde es mir für Sie merken, Fräulein Esther.«

Und dann: »Kommen Sie ein wenig mit mir, wo die andern nicht sind. Ich möchte einmal mit Ihnen allein gewesen sein.«

Esther folgte ihr mit einem ernsten Lächeln. Sie stand noch nicht der Kindheit fern.

So saßen sie in einer Lindenlaube und sahen durch das grüne Licht hinaus in den Garten, wo sich Camille de Rohan einsam in selbstbewußter Schönheit vor der Sonne neigte.

»Dem Vater haben Sie auch gefallen,« fing das Kind wieder an. »Ich kann es an seinen Augen sehen, wenn ihm jemand gefällt. Hat er nicht schöne Augen, mein Vater? Und ist er nicht ein schöner Mann?«

Esther sagte: »Ja, er ist ein schöner alter Herr.«

»Und meinen Bruder Arne sollten Sie sehen! Er ist jetzt nicht hier. In Kopenhagen ist er. – Schriftsteller!« Das letzte Wort sprach sie mit nachlässig verstecktem Stolz. – »Aber wenn Sie ihn sehen würden – er ist der schönste junge Mann, den ich kenne!«