»Wie alt bist du eigentlich?« fragte Esther.
»Im September ist mein sechzehnter Geburtstag.«
Esther war erstaunt, sie hatte Eliza für jünger gehalten. Aber gleich darauf begriff sie. – »Ah, du wirst also fünfzehn, wenn dein sechzehnter Geburtstag ist?«
»Nein, nein! – Ja, es ist schon so, aber Sie müssen nicht immer alles gleich entdecken!« Eliza war sehr indigniert und auf einmal eine zürnende junge Dame geworden. Aber gleich darauf erklärte sie – wieder Kind –: »Ich wollte ja nur nicht so viel jünger sein als Sie – ich dachte, daß man sich um jüngere Kinder weniger kümmert. Aber wenn Sie mich auch so ein wenig gern haben, ist schon alles gut – – –«
»Ja; ich habe dich ›auch so‹ gern!« –
Drüben, im Sonnenlicht schaukelte Camille de Rohan. – – – – –
»In nächster Zeit wollen wir Ihnen einen Besuch wegnehmen, Frau Bergsö,« sagte Herr Rude, als die Gäste sich verabschiedeten. Und Eliza drückte Esther bedeutungsvoll die Hand, denn es war zwischen ihnen schon ausgemacht, daß Esther den »sechzehnten Geburtstag« mit auf Eriksgaard feiern sollte.
III
Das war zu Ende des August, als Esther nach Eriksgaard kam.
Sie wollte den Weg allein gehen. Eine plötzliche und starke Sehnsucht nach Einsamkeit drängte sie dazu. Denn schon lag alles Frohe und Leichte ihrer Umgebung wie am andern Ufer. Und es war wie ein zögerndes Umwenden und Zurückgrüßen, als sie das Haus am Meer verließ.