Sie ging über die weiche, nun schon verblühende Heide wie über das zottige Fell jener Märchenungetüme, die vor verwunschenen Schlössern liegen. Sie sah am Himmelsrand in grauer Wolkenferne die Erdriesen kämpfen, und sie vernahm die Seufzer unstillbarer Sehnsucht aus dem Reich der Unterirdischen.

Ja, alle Dinge sprachen zu ihr. Aber sie ging mit den stillen Augen des Lauschenden, und in ihr erstand eine zarte und weltfremde Liebe – eben zur Welt. – – – – –

Da lag Eriksgaard. Und Eliza kam mit ihrem keuschen, erwartungsvollen Lächeln ihr entgegen.

»Du kommst allein über die Heide, Esther? Jeden Tag habe ich auf dich gewartet! Jeden Tag bin ich dir entgegengegangen.« – Sie bemerkte gar nicht, daß sie plötzlich das Du brauchte.

Dann faßte sie Esther bei der Hand, und sie traten ein in das Haus. In die Thür war ein Herz geschnitten, man konnte dadurch in das Innere des Hauses blicken, aber man sah nur das Dämmern des dunkleren Raumes, weil man im hellen Tageslicht stand. – Esther dachte: ein Herz ist in die Thür geschnitten – – – –

»Vater! da ist sie!« rief Eliza.

Adam Rude kam aus einem halbdunklen Zimmer und begrüßte den Gast. Seine Augen waren wie im Traum gewesen.

»Dort hängt das Bild meiner Mutter,« sagte Eliza später. »Er geht zuweilen hin und ist mit ihr allein.« Sie sprach wie von einer lebenden Person von dem Bild der Toten.

»Wie war deine Mutter?«

»O – zart und fein. Nicht sonderlich schön, aber voll Anmut. Und sie war gut gegen ›Gerechte und Ungerechte‹. Ich entsinne mich, wie unser Haus eben gebaut war, kam ein Bettelweib – eine alte Frau, die oft betrunken war. Die hat meine Mutter nun überall herumgeführt und ihr alles gezeigt und sprach mit ihr, wie mit einer guten Bekannten. Dann hat sie ihr auch etwas gegeben – wohl nicht viel, denn die Eltern waren nicht reich damals und meine Mutter ängstlich und sparsam. Aber ich habe die Frau dann fortgehen sehen – mit einem so glücklichen Gesicht.«