Esther war schon einige Wochen auf Eriksgaard und fühlte sich mehr und mehr mit der seltsamen Eintönigkeit des Hauses und seiner Bewohner verwachsen.
Sie gewöhnte sich an Adam Rudes absonderliche Art, durch das Haus zu irren und zerstreute Worte zu stammeln. – Sie wurde vertraut mit dem überreifen, so oft das Unwirkliche streifenden Wesen Elizas.
Und in dieser traumhaften Umgebung versank ihre Kraft fast unmerklich aber stetig im erschlaffenden Nachgeben.
Seltsame heiße Bilder, die nur ganz entfernt die Wirklichkeit berührten, kamen zu ihr. Die unterdrückte Sehnsucht nach dem einen geliebten Menschen lebte sich in ziel- und gestaltlosen mystischen Phantasien aus. –
Und dann gab es eine Nacht, in der sie nach schlaflosem Hindämmern ganz plötzlich in ihrem Bett kniete – den Kopf vornübergebeugt und die Hände verschränkt – und immer liefen Thränen vor ihr nieder. Und sie warf den Kopf zurück und senkte ihn wieder und wollte – beten? – –
Und immer liefen Thränen vor ihr nieder.
Aber es gab kein Wort und keinen Gott – nur allertiefste Verlassenheit war um sie.
Und das Zeitgefühl schwand, und der Körper wurde wesenlos. Es war wie der Tod im Leben. –
Und dann fand sie sich wieder: mit zurückgeworfenem Kopf und schlaff herabhängenden Armen – schon lange thränenlos. Die Glieder waren ihr ganz kalt und taub geworden und gingen schwer zu bewegen. Und sie fand sich allmählich wieder ganz zurück in die Wirklichkeit und legte sich ruhig nieder – ja ganz ruhig und – gebrochen.