IV

Esther saß im Gartenzimmer und malte. Sie war allein im Haus geblieben, während Eliza mit ihrem Vater hinüber zu den Pächtersleuten ging, die den vom Wohnhaus ziemlich entfernt gelegenen Gutshof verwalteten.

Über der stillen, weiten Stube lag etwas Festliches. Vielleicht war es nur der Sonnenschein und die Einsamkeit.

Esther legte Pinsel und Palette nieder und betrachtete die Leinwand vor sich. Sie hatte ein Phantasiestück zu malen begonnen, das wenig Zeichnung und recht viel Farbenreiz enthielt. Es war nichts als Heide und Himmel: ein rechtes Motiv für Gedanken der Schwermut und Leidenschaft. – – –

Esther errötete plötzlich und schob das Bild zur Seite. Sie stand auf und trat hinüber in den Sonnenschein. Sie streckte die Hände aus und fühlte darauf die prickelnde Wärme. Da beugte sie auch den Kopf, denn höher oben lag Schatten, bis sie im vollen Lichte stand.

Die Einsamkeit machte es, daß sie auf ihr Atmen zu horchen begann – und dann plötzlich fing sie an zu singen.

Sie schloß die Augen vor dem Licht und ließ es über sich gleiten – und sang dazu eine Melodie, die sie irgendwann einmal gehört hatte, von der die Worte längst vergessen waren.

Da hörte sie die Hausthür gehen und war still. Sie setzte sich wieder zu ihrer Malerei, doch in ihr blieb eine leise, festliche Freudigkeit zurück.

Und dann stand dort, wo sie eben noch gewesen war, ein anderer drüben im Sonnenschein.

»Ich bin Arne Rude,« sagte er und verbeugte sich mit einem harmlosen kleinen Gut-Jungen-Lächeln.