Esther war ein wenig verwirrt. »Herr Rude und Eliza sind ausgegangen,« sagte sie.

»Sie werden wiederkommen,« meinte Arne in zuversichtlichem Ton. Und dann mußten sie beide lachen über den allzugroßen Geistesaufwand seiner Antwort.

»Darf ich mich so lange ein bischen zu Ihnen setzen, Fräulein – Esther? – Sie müssen nämlich wissen, daß man mir immer nur von ›Esther‹ schreibt, so daß ich gar nicht zweifeln kann, nun ›Esther‹ vor mir zu sehen –«

»Ja, ich bin ›Esther‹,« sagte sie freundlich. Dabei sah sie zufällig nieder und auf die langen, sehr modischen Schuhe des jungen Mannes. Sie mißfielen ihr ein wenig, und deshalb stieg ihr Blick an der ganzen elegant umschneiderten Person empor, bis sie an diesem gutmütig lächelnden, hübschen Jünglingsgesicht haften blieben, das recht wenig mit der leichten Geziertheit der Kleidung in Einklang stand.

»Und das Ganze ist also ein ›Dichter‹,« zog sie für sich das Resumée ihrer Betrachtungen.

Arne ließ sich im Bewußtsein seiner Vorzüge beruhigt mustern. Dabei stand der Ausdruck des innigsten Wohlgefallens sowohl an sich selbst, wie an der jungen und schönen Dame auf seinem Gesicht.

»Sie haben gemalt?« fragte er dann und wollte sich dem Bild nähern.

Esther schob es aber wie achtlos zur Seite. Um keinen Preis sollte er es sehen! – Sie war selbst ganz erstaunt über die Heftigkeit dieses inneren Widerstrebens.

Um abzulenken richtete sie rasch eine Frage an ihn: »Sie kommen direkt von Kopenhagen?«

»Ja; ich pflege immer meine Familie recht unversehens zu überfallen. – Sie wissen, wir Leute der Feder sind gewöhnlich ein Stück bohémien. Mir besonders sind lange Vorbereitungen entsetzlich. Leute, die sich den einen Tag überlegen, was sie an den sechs andern essen wollen, sind mir noch gruseliger, als Papierkragen und wollene Hemden – Sie verzeihen!«