Der Alte hielt ein wenig ihre Hand. – »Gute Nacht, Kind,« sagte er, gab aber ihre Hand noch nicht frei – fügte dann ganz leise hinzu: »Kind – Kind – Königin Esther!«

Ihr erschien das nicht einmal wunderlich.

Und sie beugte sich zu Eliza: »Gute Nacht, Eliza –«

Das Kind bog sich leise zurück. – »Gute Nacht.«

»Du bist anders zu mir?«

»Du bist es, die anders geworden ist. Ich kenne dich nicht mehr.«

Esther senkte den Kopf. Das Weinen preßte ihr plötzlich die Kehle. Es war heute so, daß ein jedes Wort sie tief und innerlich traf und wie mit einer geheimnisvollen Bedeutung.

Und ihr war, als schickte sie sich an zu einem Verbrechen. Scham und Entsetzen waren in ihr. – Was denn? – Aber sie that doch nichts Häßliches?

Nur die Schwermut war es, die von ihr wich – nur diese glücksfremde, von Jugend und Leben gewandte Seele schwieg endlich einmal –

Es starb – es starb in ihr. – –