Weiter kam Esther nicht. Sie mußte dasselbe immer wieder lesen.
Und da stieg ein Bild des Glückes vor ihr auf – des Glückes in seiner Vollkommenheit. Es war nicht mehr die Liebe zu diesem Mann, der so gesegnet rein und voll empfinden konnte – Sie hätte nur seine Worte nehmen mögen, stehlen mögen, um sie dem andern zu schenken, den sie liebte –
Sie hätte zu dem kommen mögen, den sie liebte und allen Reichtum dieser Worte über ihn ausschütten: »Du bist es, der für mich ist.«
Aber das – das würde ja für sie nur eine neidische Lüge sein. Denn sie war genügsam geworden bei einem halben Verstehen, bei einschläfernden Zärtlichkeiten. Sie hatte gewußt, daß sich ihr nirgends Heimat bot – und da nahm sie die warme Hand, die sich ihr entgegenstreckte –
Ja, der Wille zu einem Götterglück war allzufrüh in ihr gebrochen – und da griff sie nach einem kleinen frohgemuten Trost. – – –
Sie hatte nicht bemerkt, daß jemand eingetreten war.
Arne ging auf sie zu mit einem frohen fragenden Blick.
Sie gab ihm flüchtig die Hand. Seine Augen wurden ernst und die Frage darin eindringlicher.
Sie spürte die Verpflichtung, etwas zu sagen, fand kein Wort und wurde dadurch verlegen.
Er bemerkte den Brief in ihrer Hand. »Sie haben Nachrichten von zu Hause, Fräulein Esther?«