Da läßt er das erschöpfte Tier Schritt gehen, selbst in Mattigkeit zusammenbrechend.
Doch plötzlich – gar nicht weit von sich – sieht er eine dunkle Gestalt in wartender Ruhe. Es zieht ihn hin – da steht der Tod.
»Wahrlich des Herrn Wege sind wunderbar,« spricht der Tod. »Fast zweifelte ich heute an der göttlichen Allwissenheit, als der Herr mir befahl, dich hier an dieser Stelle der Wüste zu erwarten.« – – – – –
»Wollen Sie mit mir eine Tour über Land gehen?« fragte später am Nachmittag Adam Rude.
Esther war gleich bereit. Eliza und Arne saßen schon seit Stunden überm Schachbrett, Esther hatte ein Buch genommen, aber die gelesenen Worte bekamen keinen Sinn in ihren Gedanken.
Nun schritt sie neben dem alten Rude über das Heideland. Er hatte ihre Hand durch seinen Arm gezogen, »damit Sie nicht ermüden, denn wir wollen weit gehen«.
»Wohin gehen wir?«
»Nach einem Bauernhof, drüben im Rottbüllwald. Recht merkwürdige Leute sitzen dort, hören Sie nur:
Vor zwanzig Jahren starb der Bauer. Er hatte aber ein Testament gemacht, nach dem die Bäuerin den Hof verlieren sollte, wenn sie innerhalb zwanzig Jahren wieder heiraten würde. So sehr hatte er sich ihrer Treue versichert!
Kaum aber ist der Mann tot, so hat die Bäuerin nichts Eiligeres zu thun, als ihre Gunst dem Großknecht zu schenken. Aber heiraten dürfen sie nun ja mal nicht, weil sie sonst den Hof verlieren. Also sie warten zwanzig Jahre, und jetzt im Frühling hielten sie Hochzeit.