Weil aber im Laufe dieser Zeit an zwölf Kinder gekommen waren, schlug ihnen der Pfarrer vor, die Hochzeit doch wenigstens etwas in der Stille zu feiern. Das war aber nun gar nicht nach ihrem Sinn – es mußte im Gegenteil eine ganz große Hochzeit sein, denn sonst, wissen Sie, wären die Brautleute ja um die schon lange entbehrten Hochzeitsgeschenke gekommen!«
Esther amüsierte sich. Der Alte konnte mit so viel verstecktem Humor erzählen, wie sie es seiner feierlichen Art gar nicht zugetraut hatte.
Aber es that ihr wohl – gerade heute. Und sein kräftiger Schritt unterstützte so harmonisch den ihren. Sie schmiegte sich an ihn und sah zutraulich zu ihm auf.
Ein herber Wind ging über die abgeernteten Felder; er trug den Geruch von Erde und Gras, das auf sandigem Boden wächst. Auch überreife Brombeeren mochten dazwischen sein.
Alles ringsum war klar und einfach – allem heißen Zweifeln der Sinne und der Seele fremd.
Was heute früh geschehen war, klang nur noch wie ganz aus der Ferne herüber. Ein hohes Bild verblaßte. Eine überzärtliche Sehnsucht entblätterte im Nordlandswind.
War hier nicht alles gesund und stark und gut? Redeten nicht alle Dinge in einer herzlichen und bekannten Sprache zu ihr? Wozu dann einen festen und treuen Gewinn des Lebens aufgeben, um sich selbst ins Ungewisse zu verstoßen?
Wie denn? Das waren alles Worte, um einen Willen zu verkleiden. Ja, ganz einfach: sie wußte, daß sie sich hier nicht loszureißen vermochte – sie wollte hier bleiben.
Wieder sah sie mit einem freudigen und zuversichtlichen Ausdruck auf den Menschen, der neben ihr ging. Sie wollte ihm so gern etwas Liebes sagen. »Erzählen Sie mir ein wenig von sich selbst,« meinte sie plötzlich.
»Das kann ich so schlecht,« antwortete er. »Ich bin nicht gewohnt, von mir zu sprechen.«