Er hatte die Hände in die Hosentaschen versenkt und lehnte sich zu ihr hinüber, so daß sie sein Haar roch, aus dem irgend ein künstlicher Wohlgeruch stieg. Er senkte die Stimme zu einem Flüstern, das Esther ein wenig affektiert klang, und erzählte die Geschichte mit den Worten, wie er sie jedesmal begann: »Am Abend kommen wir in Kopenhagen an – und am andern Morgen zeige ich dir die Stadt.«
Sie verspürte so eine unwiderstehliche Lust, über ihn zu lachen. Durch die Dämmerung sah sie aber, daß er jenen aus Zufriedenheit und Sentimentalität gemischten Ausdruck hatte, den zu unterbrechen man nicht leicht einem Menschen gegenüber genug Grausamkeit aufbringt.
Sie bemühte sich also ernst zu bleiben, während er, an ihre Schulter gelehnt, lispelnd und mit gefühlvoller Betonung ein gefühlvolles Glück unter den Sensationen der Großstadt beschrieb.
Nein, sie konnte es nicht mehr aushalten, ohne zu lachen! Sie griff irgend einen kleinen motivierenden Einfall auf, lachte und sagte: »Weißt du noch, Arne, was für kluge Dinge in deiner Novelle standen, die du mir neulich zeigtest?«
»Welche?« fragte er unwillig über die Unterbrechung.
»Sie hieß ›Moderne Frauen‹. Und die moderne Frau – sie trug einen ›high life-Gürtel‹, weil die Novelle im Jahre 95 geschrieben war – war so ungehalten über die ungesellschaftliche Pose, in der sie ihren Ehemann überraschte – ich glaube, er saß rittlings über einer Stuhllehne –, daß sie sich von ihm scheiden ließ.«
Er fuhr aus seiner nachlässigen Haltung auf und setzte sich kerzengerade. »Unsinn! Das hast du ganz falsch verstanden!« berichtigte er scharf. »Deshalb war es doch nicht, daß sie sich scheiden ließ!«
»Ich dachte!« meinte Esther und trat leise vor sich hinsummend zum Fenster.
Er ging ihr nach, und nun sah sie im hellen Mondlicht, daß er ein überaus beleidigtes Gesicht machte. Ja doch – sie hatte ja seine Dichterwürde gekränkt!
Wenn sie doch nur dieses dumme Lachen überwinden könnte! – Sie sah ja, wie es ihn immer mehr reizte.