Das weite Zimmer mit dem Spinett wurde zum Tanzsaal. Da klangen nun nicht mehr die alten sehnsüchtigen Liebeslieder unter verträumten Mädchenhänden – Es war jetzt das Fräulein Luise, die junge wohlerzogene Dame, die ihre gut eingeübten Walzer der tanzlustigen Gesellschaft zum besten gab.

Und spät in der Nacht dann fuhr man heim. In diesen kalten Spätherbstnächten, wo man die Sterne zucken sieht, so kalt ist es, und wo der Atemdampf des Pferdes den ganzen Wagen einhüllt, und wo die Töne scharf klingen und kurz abbrechen. – –

Ja doch – man spielte »Hedda Gabler.«

Da gab es einen neuen Gast bei Bergsös, das Fräulein Thora Ingermann. Zart und zierlich war sie und trug eine hellgelbe Lockenmähne – darunter ein keckes freundliches Gesicht. Sie war wie geschaffen für die Rolle der Frau Elvsted.

Und dann führten sie diese Scene auf, in der Hedda, die den Mann ihrer Liebe verloren hat, zusieht, wie sich ein leises, noch so harmloses Verständnis zwischen dieser kleinen harmlosen Frau und dem ehrbaren, allerharmlosesten Tesmann anspinnt. Wie auch der, dem sie die Treue eines Lebens geben wollte, ihren Händen entgleitet. – – – –

Fräulein Thora Ingermann war verlobt. Sie hatte eine Menge Bilder ihres Verlobten mit. Er war ein Seeoffizier mit prächtigem Schnurrbart.

»Tesmann! Sehen Sie, ist er nicht einzig? Haben Sie schon je einen so schönen Mann gesehen?«

Tesmann-Arne betrachtete das Bild und stimmte freundlich, wenn auch vielleicht nicht aus überzeugtem Herzen, zu.

Das Fräulein machte ein schmachtendes Gesicht und sah Arne verführerisch an. »Ich liebe ihn so!« sagte sie. »Sie können es nicht begreifen, wie ich ihn liebe!« – –

Auf dem Rückweg meinte Arne zu Esther: »Ist es nicht ein liebes kleines Ding, der neue Besuch bei Bergsös? Sie hat so eine schöne rührende Liebe für ihren Verlobten.«