»Thu das, lieber Arne.«

Arne zog sich für ein paar Stunden zurück. Dann kam er erhitzt und triumphierend mit einem kleinen Manuskript herein, das bereits recht sauber mit einer Goldschnur geheftet war.

Esther las:

»Im Frühsommer.

»Eine ganze Bucht von Heckenrosen hängt über den Rand des Hohlweges, bauscht sich in blühender Fülle und wölbt lange, geschmeidige Zweige von einer Wand hinüber zur andern – ganz, als sei für den einziehenden Sommer ein Triumphbogen errichtet. – Und so zahllos sind die Blüten – sie wetteifern mit dem Abendhimmel, wer das köstlichste Rot aufweisen kann.

»Aber da, wo der Sommer einziehen sollte, kommt jetzt ein junges Menschenpaar. Wie im Traum gehen sie beide, und er hat ganz zaghaft den Arm um ihre Schulter gelegt. So leise berührt er sie, daß bei jedem Schritt seine Hand ein wenig zittert – denn sie haben sich ja eben zum erstenmal von Liebe gesprochen. Nun wissen sie plötzlich nichts mehr zu reden. Es ist, als ob ringsum alles Stimmen bekommen hätte: Von den Rosen tönt eine ganz leise, feine, süße Melodie, und das Gras zu ihren Füßen seufzt – nur die Luft im Hohlweg hält den Atem an und staut sich in dichten, berauschenden Duftwolken.

»Und jeder Schritt, den sie vorwärts thun, führt tiefer – tiefer in diese seltsame Märchenwelt hinein.

»Nun kommt das Ende der Rosenhecke, schon sehen sie das Korn, welches dahinter steht, in blausilbernem Schimmer hindurchblinken – und dazwischen die feurigen Mohnen. – Ein leichtes Zurückschauern durchbebt das Mädchen – –: der brennend, brennend rote Mohn – – –

»Dann gehen sie ruhig weiter – zwischen dem sommerduftenden Korn mit den heißroten Blumen – immer noch schweigend – nur seine Hand hat sich fester um ihre Schulter gelegt.«

Esther gab es ihm zurück. – »Ich dachte, du wolltest von Fräulein Thora und ihrem Verlobten schreiben?«