Du hast gesehen, daß mir jemand Kamerad und Freund wurde, weil du es nicht sein wolltest. Weil du mir nichts gegeben hast von deiner Seele – und für meine kein Verstehen.
Und trotz alledem ist mir noch jetzt ein gutes Wort von dir lieber, als die ganze Seele jeder andern Frau –
Verstehst du das? Es ist, weil ich dich liebe! – Und nur, weil ich weiß, daß ich deine Liebe nicht habe, war ich fortgegangen.«
Da fühlte sie, wie seine Worte eine Schuld auf sie luden. Und sie preßte die Hände ineinander und wagte nicht mehr aufzusehen. Ja, das war es: ihre Liebe war der seinen nicht ebenbürtig.
»Ich fühle mich so arm vor dir,« sagte sie endlich ganz leise und demütig.
Er starrte sie an – ohne zu begreifen. Ganz überrascht und entsetzt sah er aus, wie jemand, der ganz unvorbereitet etwas Unglaubliches erfährt.
Esther sah das und dachte: So hat er nur seine Vorwürfe gemacht, um widerlegt zu werden? – hat gar nicht daran geglaubt, daß alles dieses, was er sich selbst und mir zur Entschuldigung vorbringt, sich wirklich so verhalten könnte?
Und sie erkannte ihn plötzlich, wie er sich unter der stets bereiten Selbstverzeihung einem Wohlgefallen hingegeben hatte, das bald der Liebe glich. Und dann war er plötzlich nach beiden Seiten gebunden, denn er konnte weder ihre Liebe, noch Thoras Bewunderung entbehren. Und – er würde nicht lange einsam bleiben, wenn sie ihn jetzt verließ.
Sie sah ihm ruhig, wie einem Fremden in das verstörte Gesicht. Eine leichte, fast mehr physische als seelische Abneigung stieg in ihr auf.
»Also du – du liebst mich nicht? Du hast mich nur in dieser ganzen Zeit betrogen?!« brach er gegen sie aus.