Sie fühlte gar nicht seinen Zorn und die Absicht zu beleidigen – »Ich habe dich nicht mehr betrogen, als mich selbst,« sagte sie. »Denn ich habe dich zu lieben geglaubt. Und ich habe keinen andern Willen gehabt, als die Liebe zu dir. Aber ich habe mich in mir selbst getäuscht.«

»Das siehst du ein bischen spät ein!« fuhr er sie herausfordernd und höhnisch an. Er war ganz kampfbereit.

Sie sah fremd und verwundert auf ihn und ging still aus dem Zimmer.


Nun kamen noch wenige Tage von jener quälenden, niederdrückenden Trostlosigkeit, wo wir das Leben ohne den Maskenstaat der Wünsche und Hoffnungen nur mehr in seiner plumpen Alltäglichkeit sehen – wo wir uns fürchten aufzublicken, weil uns alle Dinge mit fremden, verzerrten Gesichtern anschauen könnten – wo uns vor der köstlichsten Speise graut, weil wir den Ekel dahinter spüren. – – – –

Esther erwartete nur die Antwort einer Berliner Pensionsdame vor ihrer Abreise.

Gleichgültig und ohne den kleinsten Aufschwung der Phantasie hatte sie den Beschluß gefaßt, sich dort im Malen auszubilden.

Selten wohl ist jemand mit so geringen Erwartungen der Kunst entgegengegangen. – –

»Ich kann dich nicht halten, Kind – ich weiß, daß ich dich hier nicht festhalten darf,« sagte der alte Rude zu Esther – und dabei sah er sie doch suchend an, als könnte sie ihm jetzt noch sagen: alles soll gut werden.

Und wie sie stumm blieb, wiederholte er sein altes Wort: »Wie du es willst, wird es schon recht sein.«