Später, zum Frühling hin, geschah es.

Da war Esther einmal im Nebenzimmer, wie Maria und Lothar in der Dämmerung zusammensaßen. – Ja, es war in der Dämmerung, wo sich die Seelen näher kommen, wo jenseits alles Fremden und Irreleitenden ein Ich zum andern findet.

Esther hörte es.

Sie hörte ihre freien, glücklichen Zärtlichkeiten und ihre Worte der Zusammengehörigkeit.

Da streifte Maria das leichte Gewand der Melancholie herunter, und sie zeigte sich ihm, wie sie im Grunde war: die Glückspendende – die Priesterin der Seligkeit.

Sein Herzschlag mußte sich jetzt mit ihrem einen – –

Wie denn? – Er lachte – denn er konnte mit all seiner Schwermut und Herbe versinken in ihrem leichten Glückswagemut.

Esther fühlte ihm nach –

Nein, sie fühlte ihm nicht mehr nach! Zum erstenmal löste sich ihre Persönlichkeit von seiner, nicht um zurückzutreten, sondern sie stellte sich ihm entgegen. Sie fühlte, wie es sein müßte, wenn er zu ihr, zu Esther gefunden hätte. So ganz anders wäre das gewesen: Schwer und mit Thränen müßten sie zusammenkommen – und es würde sein wie ein tiefes Leid. – Und sie würden ringen aneinander, weil keiner zum andern fände – weil sie zu ähnlich waren und keiner den andern auslösen könnte. –