Und drüben hörte sie seine entzückte Stimme. – »Maria Liebe – Liebste du –«
Da war ihr, als müßte sie das Gesicht verbergen. Und sie lief hinaus in ihre Kammer. Und sie konnte nicht weinen – und saß auf ihrem Bett und starrte in das Dunkel. – Ja, sie sah das Dunkel von Angesicht zu Angesicht, wie es ihr schweigend entgegenblickte.
Und da fand sie einen neuen Willen.
II
Esther wollte sich Neuland erobern.
Doch es wurde Frühling und Sommer, bis sie ihren Plan ausführte. Sie hing so stark an der Heimatserde. Und sie dachte an die süße Hilflosigkeit Marias, und auch die praktische Abhängigkeit des Vaters, der als Gelehrter jeder Änderung seiner Gewohnheiten angstvoll, ratlos gegenüberstand, fiel ihr aufs Herz.
Aber ihrer Familie gegenüber fand sich Ersatz für ihre Abwesenheit.
Lydia kam in ihrer bescheidenen Selbstverständlichkeit. Lydia zog ein in Esthers Zimmer, und es war, als hätte sie nie einen andern Wunsch gehabt, als nun Hintergrund für Marias Schönheit zu sein.
Am letzten Abend ging Esther mit Lydia durch den Garten. – Sie strich ganz heimlich mit der Hand über die Zweige der Büsche und sah das Bild ihrer einstigen Heimkehr. Sie sah sich wiederkommen – getrieben vom Heimweh nach alten Schmerzen – und wollte doch davon nichts wissen, denn sie ging ja in das neue Leben, um zu überwinden.
»So schwer wird mir das Fortgehen,« sagte sie müde.