Und Lydia darauf: »Ich weiß, du läßt deine Jugend zurück.« – – – –

Den ganzen andern Tag hörte sie in sich dieses Wort nachklingen, stieß es zurück, holte es mit einer seltsamen heimlichen Lust an seinem Klang wieder hervor und verläugnete es um so heftiger.

Sie reiste ganz nach dem Norden von Dänemark. Die Fahrt von Hamburg nach der kleinen Küstenstadt machte sie in der Nacht.

Sie konnte nicht zum Schlafen kommen, saß die ganze Nacht über am geöffneten Fenster und spürte den tragischen Reiz der hellen nordischen Sommernacht.

Lange, lange Wiesen mit dem weidenden Vieh, das jetzt zum Schlafen hingestreckt lag, aber gleich darauf vom Lärm des Zuges geschreckt in die dämmernde Ebene hineingaloppierte.

Und am Himmel wechselte ein leuchtendes Farbenspiel. Dort glühten die sehnsüchtigen Wünsche über der verhaltenen Resignation der Ebene.

Nach Mitternacht wehte Seeluft herüber. Und dann lag im Morgennebel der bläuliche Fjord mit seinen verträumten grünen Ufern.

Weiter noch gen Norden blühte die Heide, wie in einem weiten, jubelnden Ton des Erwachens.

Nun kamen die kleinen Ortschaften, alle durch eine hohe grüne Baumhecke gegen die Windseite geschützt, zuweilen aus ihrer Mitte den kahlen und nüchternen Bau einer Missionskirche förmlich ausstoßend. – Und einzelne Bauernhöfe lagen am Weg mit den tiefgedachten Häusern, die sich ganz niederkauern im üppigen Grün ihrer Gärten, die in Wohllustschlaf versunken scheinen ob all dem Blühegeruch ringsum.

Endlich, gegen Mittag kam das Reiseziel.