Die Seele schweigt. Nur kleine Erinnerungen ziehen vorbei – der Zeitbegriff ist von ihnen genommen – Begebenheiten aus der Kindheit scheinen ebenso nahe zu liegen, wie eben erlebte Geschehnisse. Doch ihre Verbindung mit der eignen Persönlichkeit ist gleichsam abgeschnitten.

Arbeit – Arbeit –

Ein stumpfes, langsames Vorwärts – ohne Kampf, ohne Ehrgeiz, ohne Zielbewußtsein. –

Viele andere sind Esther voraus. Auch welche, die zu gleicher Zeit angefangen haben. Sie arbeiten so merkwürdig reinlich und abgerundet. Es ist, als wären sie schon mit dieser gewissen Manier zur Welt gekommen. So tadellos fertig sieht alles aus, was unter ihren Händen hervorgeht. Fast scheint es, sie verlieben sich in diese eintönigen mechanischen Schwierigkeiten der Anfangsgründe. Und das ist ihr gutes Recht. Es muß sie im voraus entschädigen für alle späteren Enttäuschungen. Denn sie werden versagen, sobald die Beweglichkeit der Natur im Gegensatz zu der methodischen Steifheit der Musterblätter sie zu verwirren beginnt.

Arbeit – Arbeit –

Nicht zur Seite schauen. Stumpf abgeschlossen nach innen – gleichgültig nach außen. Ein langsames, zähes Vorwärtskriechen – ohne Kampf, ohne Ehrgeiz, ohne Zielbewußtsein. – – – –

Esther benutzte jede freie Zeit, besonders die langen Abende zu Zeichenstudien.

In ihrem Lilienzimmer saß sie bei einer kleinen Stehlampe, die fortwährend Petroleum aus dem Behälter schwitzte. Vom Nachbarzimmer herüber drangen zuweilen vorsichtig gedämpfte Unterredungen des schwindsüchtigen Brautpaars.

Fräulein Nancy schminkte sich jetzt seit einiger Zeit, und Herr Engel lebte nur noch von Morphium.

Wenn sie miteinander sprachen, so schien es sich stets um irgend welche Berechnungen zu handeln, die sie mit ihren rauhen, kranken Stimmen aufstellten.