Zuweilen kamen die Briefe aus Dänemark. Esther öffnete sie immer wie unter einer dumpfen Angst.

Es war kaum die Furcht vor schlimmen Nachrichten. Sie wußte ja, daß dort alles in dem lieben alten Gleichmaß vor sich ging. Aber die Erinnerung war es, die mit der Zeit immer mehr etwas unsäglich Bedrückendes für sie hatte – ein unbestimmtes Schuldbewußtsein kam nach und nach an Stelle jenes Gefühls, nur nach einer Notwendigkeit gehandelt zu haben.

Aber hätte es denn für sie eine andere Möglichkeit überhaupt gegeben? Hätte sie die Pflicht gehabt, dieses Verhältnis weiter zu tragen, weil sie es einmal eingegangen war?

Ihre Begriffe begannen unsicher und schwankend zu werden.

Und doch: Hier lag nicht das Verfehlte – aber dann wo? – –

Heftete sich das Unglück an ihre Person wohin sie trat? Gehörte sie zu den Vom-Schicksal-Gezeichneten, die überall das Unheil mit sich führen – ungewußt und ungewollt? – –

Ein Brief von Eliza kam, einer ihrer süßen unschuldigen Briefe, die ihre Art so unvermittelt übertragen konnten.

Und sie erzählte diesmal von einer großen Neuigkeit in Eriksgaard: Arne hatte sich verlobt.

Esther unterbrach sich im Lesen. Das war ja wie eine Erlösung!

Also war sie doch im Recht gewesen, wenn sie geglaubt hatte, daß eine noch unbewußte Liebe zu Thora ihn in jene zwiespältige Lage gebracht hatte! Sie selbst war nur zur rechten Zeit gegangen, wo das Ende sich schon vorbereitete.