»– daß jedes Glück gewollt und erzwungen werden kann.«
»Glauben Sie nicht, das ergäbe eine recht billige Moral?«
»Ich weiß, daß sich das, was ich jetzt sagen will, sehr leicht mißverstehen läßt – trotzdem: ich glaube, daß für jeden Menschen, auch für den, der gewohnt ist, nie nach billigen Moralen zu handeln, einmal der Augenblick kommt, wo er sich jenseits der Moral stellt. Es ist für ihn der Ausnahmefall – das Zugeständnis an die Forderung des brutalen Lebens. Wann diese Zeit aber gekommen ist, hat jeder anständige Mensch allein mit sich selbst abzumachen. Er allein muß wissen, wie viel Kampf und Schmerz er einzusetzen hat, ehe er sich sein Glück nimmt.
Man hat viel von einer Moral gesprochen, die im Namen der Schönheit und Freiheit verkleideten Häßlichkeiten das Wort redet. Darüber sind wir jetzt hinaus. Unsre ganze Zeit ist darüber hinaus. Wir wissen nur mehr von einer Ästhetik, die sich mit Ethik deckt.
Wir haben uns von den mißverstandenen Idealen der Freiheit entfernt und lassen wieder die Gesetze der Güte und Großmut über uns stehen, die im Grunde stets für den besseren Menschen gegolten haben. Und an wen es nun kommt, daß er abweichen muß, von dem, was er für gut hält, der hat einen strengen Kampf mit sich selbst zu führen – und er wird ihn hart kämpfen – nur sich nicht zerstören lassen.«
»Aber könnte es nicht einmal – die Pflicht eines Menschen sein, sich in diesem Sinn zerstören zu lassen!«
»Nie. – Allein schon darum nicht, weil ein gebrochener Mensch – ganz objektiv geurteilt – durch seine Person ebensoviel Unheil anrichten muß, wie er sonst Glück geben könnte. Sein Bestes kann ja nur noch Resignation sein.«
»Und das Unglück, das er anrichtet, wenn er sich nimmt, was ihm nicht zukommt?«
»Das – muß er als ehrlicher Streiter thun. Und noch einmal: Er muß wissen, wann er es thun darf – er allein.
Ein guter und ganzer Mensch wird immer von guten Instinkten geleitet – ein gebrochener kann nur noch Unheil anrichten – ganz unbewußt und ungewollt vielleicht.« –