Sie gingen nun das letzte Stück schweigend nebeneinander. Das helle Frühlingslicht floß zitternd an ihnen herab. Esther war es, als hörte sie ganz von ferne Glocken klingen. Feiertagsglocken waren das – wurde nicht das Leben eingeläutet?

Das alles drängte sich ihr so heiß zu Herzen. Und auch das Traurige wurde milde.

Esther dachte: »Das war es – ja, das war es: ich mußte Unheil anrichten – überall wohin ich kam. Ich hatte nichts Ganzes und Gutes einzusetzen, weil ich dort nicht kämpfen durfte, wo meine Seele begehrte. – –

»Mit meiner ganzen Seele begehre ich nach dir!«

Ja, mit diesen Worten dachte sie plötzlich an den alten Wunsch. Lebensvoll wie nur je trat er hervor aus langem, langem Schweigen.

Der Kampf war zu Ende.

Dritter Abschnitt

XIV

So oft hatte Esther sich die Heimkehr in Gedanken vorgestellt, daß nun die Wirklichkeit für sie gar kein Leben gewinnen wollte.

Sie ging immer nur vor sich hin und dachte, ob es dies eine Mal auch gewiß kein Traum sei, wie so oft schon vorher.