Es war ein weicher Märztag gegen die Dämmerung zu, und überall lag noch ein Duft von Sonnenwärme. Kein bekannter Mensch begegnete ihr unterwegs. So kam sie bis an den Garten.

Sie konnte sich Zeit lassen. Niemand ahnte ja, daß sie schon hier war. Leise klinkte sie das Pförtchen auf und ging über die regenfeuchten Wege. Bräunlich war noch der Rasen von vergangenem Schnee, nur einzelne frischgrüne Lichter lagen darüber.

Aber da – hinter den großen Erlen wuchsen Schneeglöckchen!

Wie oft hatte sie sich den Garten vorgestellt und immer gemeint, so bis auf alle Einzelheiten noch alles genau zu wissen. Und nun wuchsen da Schneeglöckchen, an die sie nie mehr gedacht hatte.

Nein, es war kein Traum, diesmal!

Ein unendlich zärtliches Gefühl – eine kindliche, kindliche Freude erfüllte sie. Und sie meinte, es hätte ihr kein lieblicheres Erlebnis werden können, als daß daheim die Schneeglöckchen blühten.

Weich und fast heiter war sie, während ihr stille, warme Thränen über das Gesicht liefen. Alle großen, leidenschaftlichen und dunklen Empfindungen schwiegen vor der kleinen, kindlichen Freude.

Alles war gut und milde in ihr, und sie war bereit, unter glückliche Menschen zu treten. –

Sie ging langsam auf das Haus zu. Amseln rannten vor ihr über den Weg und versteckten sich zwitschernd in den kahlen Büschen. Das Haus lag stolz und feierlich vor ihr. Alles war ihrem Herzen ein weiches Entzücken.

Da trat jemand auf die Veranda heraus. War das Lydia? Sie schien so viel weiblicher, anmutiger.