Sie ging hin und her, dann blieb sie am Geländer stehen, und ihre Finger spielten in den dürren Weinranken.

Esther kam langsam auf sie zu. »Lydia!«

Das Mädchen griff sich nach dem Herzen. Dann schritt sie zögernd die Stufen hinunter in den Garten, während Esther unwillkürlich stehen blieb.

»Ach du, mir war es, als müßtest du da sein,« sagte Lydia. »Deshalb bin ich herausgekommen.«

Sie gaben sich die Hand, denn es waren nie nähere Zärtlichkeiten zwischen ihnen üblich gewesen. Aber Esther fühlte die ganze alte Treue in dieser einfachen Begrüßung.

Dann gingen sie miteinander, sich noch immer bei der Hand haltend, ins Haus hinein.

»Ich bringe sie Euch!« sagte Lydia, und Esther sah die beiden zusammen, die sie in Gedanken hatte trennen wollen.

Sie waren schöner noch geworden – beide. Und es schien, als könne man sich keinen ohne den andern denken. Sie paßten zusammen, wie ein Bildwerk, das der Künstler aus einem einzigen Marmorblock gemeißelt.

Fast schien es, daß eine körperliche Ähnlichkeit zwischen ihnen entstanden war.

Maria nahm die Schwester in ihre zarten Arme und küßte sie. Esther fühlte einen warmen, schmeichelnden Hauch im Gesicht.