[17] Ein Wortspiel: Lohe und Zeit.
IV.
Die Malmedyer Mineralquellen.
Da Malmedy sich zu einem Kurort entwickelt und die Ausbeutung der Mineralwasserquellen bereits begonnen hat, dürfte es interessiren, etwas Näheres über die lange in Vergessenheit geratenen Heilquellen zu erfahren.
Schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden die Malmedyer Mineralwässer von einem ausländischen Chemiker, nämlich dem Engländer C. Lucas untersucht. Sein Werk „An essay on waters“ (London 1756), welches ins Deutsche übersetzt wurde, machte wohl zum ersten Mal eingehend auf diese Quellen aufmerksam. Später war es Dr. J. P. J. Monheim, Apotheker in Aachen, der sich mit der Untersuchung des Wassers näher befaßte und auf die Heilkraft desselben hinwies.[18] Von da an blieben die Eisenquellen von Malmedy bei Vielen in gutem Andenken. Einige Bemühungen dort ansässiger Aerzte, dieselben in die Reihe der anerkannten Heilwässer einzuführen, waren fruchtlos, weil die Einwohner sie nicht genügend unterstützten. Außerdem war an diesem Mißlingen die damalige Abgeschlossenheit der Lage schuld, welche freilich kein absolutes Hindernis gewesen wäre, aus Malmedy einen Kurort zu schaffen, wenn nicht die Nähe des luxuriösen und weithin glänzenden Spa die Aufmerksamkeit von dem bescheidenen deutschen Heilquellen-Orte abgelenkt hätte. Endlich bildete sich im Jahre 1868 zu Malmedy ein kleiner Verein zur Gründung eines Kurortes daselbst, zunächst mit der Absicht, die dortigen Quellen zur Anerkennung zu bringen und sie nicht bloß durch Versendung gemeinnützig zu machen, sondern auch die nötigen lokalen Einrichtungen zu einer Trink- und Badekur ins Leben zu rufen. Auch diese Bestrebungen hatten nicht den erwünschten Erfolg. Besonders verdient hat sich um die Quellen Malmedys Herr Dr. Coulon gemacht, der trotz der Mißerfolge der Gesellschaft stets bemüht war, die heilkräftigen Eigenschaften des Wassers in Ehren zu halten. Von der Gesellschaft wurden damals Bohrarbeiten an der Inselquelle unternommen, sowie die nötigen Vorkehrungen zum Auffangen und zum Schutze des Wassers getroffen, und die Quelle gab stündlich 1350 Liter Wasser. Es wurde damals auch ein freundliches Brunnenhaus errichtet, welches an heißen Sommertagen von manchen Einwohnern der Stadt fast täglich, namentlich des Abends, besucht wird.
Ueber die Zusammensetzung und die Heilkraft des Wassers findet man ausführliche Mitteilungen in dem Werkchen: „Die eisenhaltigen Sauerwässer von Malmedy. Eine monographische Skizze von Dr. B. M. Lersch, Bade-Inspektor in Aachen. 2. Auflage. Malmedy 1881, Verlag von H. Bragard-Pietkin.“ Ich will aus dieser Schrift nur folgende Bemerkungen wiedergeben. Herr Dr. Lersch schreibt: „Das Wasser von Malmedy hat jedenfalls gewisse Eigentümlichkeiten, die man auf dem großen Mineralquellengebiete nicht leicht wieder finden dürfte, nämlich bei einer großen Einfachheit der Zusammensetzung und bei einem erheblichen Gehalte von Kohlensäure, von kohlensaurem Kalk und kohlensaurem Eisenoxydul die Abwesenheit anderer Stoffe, welche die Wirkung jener leicht beeinflussen könnten ...“ „In bezug auf Reichtum an Eisenkarbonat kann sich das Wasser der Inselquelle fast mit allen gebräuchlichen Eisensäuerlingen messen. Viele derselben, z. B. Neuenahr und Bormio, läßt es hinter sich. Es steht in genannter Hinsicht mit dem Paulinenbrunnen von Langenschwalbach fast ganz gleich, mit dem Pouhon von Spa auf gleicher Stufe. Ein Wasser, welches so reich an Eisen, Kalk und Kohlensäure ist wie die Inselquelle von Malmedy, hat gewiß ein wohlbegründetes Anrecht, in den Heilschatz einzutreten. Wie zu Spa solche, die ein schwächeres Eisenwasser wünschen, es in Barisart oder in Geronstère finden, so ist auch Malmedy mit einer schwächeren Quelle als die Inselquelle versehen; es ist dies die Géromontquelle.“ Ueber den inneren Gebrauch des Wassers sei bemerkt, daß bei allen Kranken, welchen Eisen verschrieben wird, sowie bei sehr vielen Frauenkrankheiten seitens vieler Aerzte mit dem Malmedyer Mineralwasser die besten Erfolge erzielt worden sind.
[18] Die Quellen von Aachen, Burtscheid, Spa, Malmedy und Heilstein. Aachen 1829.
V.
Die Umgegend von Malmedy.
Außer der Stadt Malmedy gehören zur preußischen Wallonie die Bürgermeistereien Bévercé, Bellevaux, Weismes und von der Bürgermeisterei Bütgenbach die Gemeinden Faymonville und Sourbrodt. Der übrige Teil des Kreises ist deutsch, und dort verstehen die Bewohner meistens weder wallonisch noch französisch. Betrachten wir die Karte des Kreises, so finden wir in der Umgegend von Malmedy folgende Ortschaften mit französischen Namen (außer den eben erwähnten): Pont (Brücken), Ligneuville (Engelsdorf), Xhoffraix, Robertville, Arimont, Géromont, Falize, Baumont, Chôdes, Mont, Longfaye, Bruyère, Eremitage, Ondenval, Ovifat, Hedomont, Burnenville, Bernister, Meiz, Boussire, G’doumont u. a. Diese Dörfer und Weiler der Wallonie zählen 5975 Seelen, von denen etwa 200 nicht geborene Wallonen sein mögen. Es wird also im ganzen Kreise etwa 8800 Wallonen geben (nach anderer Angabe bis 10000).[19]