In landschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht gehört das Gebiet von Malmedy und Umgebung zur Eifel. Die Belgier und Franzosen zählen es allerdings zu den Ardennen. Das Gebiet der Eifel läßt sich überhaupt nicht genau abgrenzen. So wollen z. B. die Eupener keine Eifler sein, obwohl sie Sachkundige, wie Dronke, der Vorsitzende des Eifelvereins, zu denselben rechnen. Das ist die alte Geschichte, über welche sich schon Karl Simrock lustig gemacht hat: niemand wolle in der Eifel wohnen, die erst drei Stunden weiter hinten anfange.

Der Teil der Eifel, welcher das Hohe Venn heißt und in den Kreisen Malmedy und Montjoie liegt, besteht aus weit ausgedehnten Hochmooren mit spärlichem Pflanzenwuchs. Häufige Stürme und furchtbares Schneewehen, sowie die zahlreichen, nur von dünner Moosdecke überzogenen Löcher können dem verirrten Wanderer und dem wenigen weidenden Vieh verhängnisvoll werden. Hier ist das Klima auf den öden, steinichten Höhen so unwirtlich, daß es an die rauhen Landschaften in den Gesängen Ossians erinnert. In Montjoie und Malmedy ist der Reinertrag für den Hektar 3,90–5,10 Mk., während er z. B. im Kreise Jülich 59,40 Mk. beträgt. Der Großgrundbesitz im Kreise Malmedy ist ohne Bedeutung. Die Ackerflächen nehmen nur 26,6 Prozent, die Weiden 37,5 Prozent und die Wiesen 8 Prozent der Gesamtfläche ein.

Ich will im Nachfolgenden einige Spaziergänge und Ausflüge in der Umgegend von Malmedy beschreiben, obschon das vorliegende Werkchen kein eigentlicher Führer sein soll. Mit Hülfe einer Karte wird man sich sehr leicht zurechtfinden.

A. Das Thal mit der Inselquelle.

Westlich von der Stadt entfaltet sich ein weites reizendes Wiesenthal, welches rechts von steilen, mit Eichenlaub bekleideten Anhöhen, links mit flach abgedachten, teils mit Nadelholz, teils mit Ackerland bedeckten Bergen umgeben ist. Eine schöne Chaussee durchschneidet dies nach der Warche benannte Thal in grader Richtung, von welcher unmittelbar vor der Stadt ein nach der Inselquelle führender Weg rechts abgeht. Der Pouhon des Iles, auf deutsch die Inselquelle, ist die wichtigste der Malmedyer Quellen. Man findet sie 5 Minuten westlich von der Stadt. Vor mehr als 60 Jahren ist sie mit einer Steinfassung umgeben worden, wodurch sie aber nur teilweise vor dem Eindringen des wilden Wassers und vor Verunreinigung geschützt war. Erst im Jahre 1870, nachdem die Untersuchung des Wassers ihre Ebenbürtigkeit mit den Quellen von Spa festgestellt hatte, erhielt die Quelle eine würdige Fassung. Auf den Rat des Aachener Bade-Inspektors Dr. B. M. Lersch wurde ein 15 Meter tiefes Bohrloch angelegt, und aus dieser Tiefe erhebt sich jetzt das Wasser stoßweise in zwei eisernen Röhren. Ueber der Quelle ist ein neues, einfaches Brunnenhaus errichtet.

Ganz in der Nähe fließt auch ein reines Wässerchen, die Quirinusquelle, die früher für alaunhaltig und heilsam galt. Hinter dem Brunnenhause gelangt man in den Wald, der die Anhöhe bedeckt. Verfolgt man den steilaufwärts sich erhebenden Fußpfad, so gelangt man nach wenigen Minuten in einen schattigen, mitten auf dem Bergrücken verlaufenden Waldweg, von dem aus man eine herrliche Aussicht über das ganze Thal genießt. In einer halben Stunde erreicht man wieder die Chaussee, auf welcher man zur Stadt zurückkehrt. Es ist dies die Straße, welche von Stavelot nach Malmedy führt, an welcher sich auch das Zollamt befindet. Sie wird viel von belgischen Touristen, besonders Radlern und Radlerinnen, benutzt.

Eine andere sehr beliebte Promenade in diesem Thale führt nach dem Felsen, der sich hinter dem Dorfe Falize erhebt, von dessen Gipfel aus man den Lauf der Warche durch das Thal weithin verfolgen kann. Das Besteigen des Grauwackekolosses ist allerdings nicht ganz mühelos.

B. Das Thal von Mon-bijou mit der Géromontquelle.

Die Chaussee, welche sich südöstlich von Malmedy zum Dorfe Géromont, von da über Weismes und dann nach Aachen hinzieht, führt zunächst durch das Thal Mon-bijou. Dieses verdankt seinen Namen einem Privat-Parke, dessen Eingang man in etwa 10 Minuten von Malmedy aus erreicht. Das einige hundert Schritt weiter gelegene Wirtshaus „Zur schönen Aussicht“ wird von den Einwohnern des Städtchens zum Ruhepunkt oder auch wegen der daselbst stattfindenden Tanzbelustigungen besucht. Der Name des Hauses ist deshalb gewählt, weil man eine herrliche Aussicht von da aus über Feld und Wiese, über den Park und die Landhäuser des Thales genießt. Nahe beim Wirtshaus befindet sich links vom Wege in einer Wiese am Abhange des Felsens, etwa 390 Meter über dem Meere, die Quelle Géromont. Im vorigen Jahrhundert entfloß sie unter einer offenen Steinnische als eine schwache Quelle dem Felsboden. Erst wenige Jahre vor der Untersuchung, welcher Monheim sie gegen das Jahr 1823 unterzog, wurde sie gehörig gefaßt, verlor aber bald wieder durch das Eindringen von Süßwasser viel von ihrer Stärke, und es erforderte gegen das Jahr 1827 lange und kostspielige Arbeiten, um sie wieder in Stand zu setzen. Ein damals errichtetes Brunnenhaus mit der sinnigen Aufschrift: „In otio sine cura bibe et spem fove salutis“ (Sorglos trink in Muße und habe Hoffnung auf Rettung) hat seinen Zweck nur kurze Zeit hindurch erfüllt und ist schon vor vielen Jahren abgebrochen worden. Ein steinerner Behälter, welcher die Quelle umgiebt und überdeckt, ist leider noch der einzige Schutz, der ihr und den sie Aufsuchenden gewährt ist. Vielleicht wird auch hier ein praktisches Brunnenhaus errichtet werden.