Ehe man zu dem erwähnten Wirtshaus gelangt, kann man die Straße den Berg hinauf verfolgen, wo ein Spaziergang durch den Wald sehr erquickend ist.
C. Das Thal von Bévercé mit den Felsenquellen.
Die Landstraße, welche in nördlicher Richtung von Malmedy nach Eupen führt, durchzieht das hübsche, von der Warche durchflossene, mit Landhäusern und Mühlen besetzte Thal. In einer halben Stunde erreicht man von der Stadt aus unter vielfacher Abwechslung der Landschaft das Dorf Bévercé, welches dem Thal seinen Namen gegeben hat. Monheim spendete den Naturschönheiten desselben das größte Lob. „Dieses Thal,“ sagt er, „das in bezaubernder Schönheit bald mehr, bald weniger sich verengt, macht durch seine höchst romantische Lage und die so einladenden Querthäler auf den Zuschauer einen Eindruck, der sich nur fühlen, nicht beschreiben läßt; auch stimmen alle Fremden, denen der Genuß dieses so herrlichen Anblicks zu teil ward, darin überein, daß die einfachen Naturschönheiten des Bévercéer Thales allein schon Spa mit allen seinen künstlichen Anlagen aufwiegen.“
In der Nähe des Thales entspringt die Felsenquelle. Die Schilderung, welche uns Monheim von der Lage der Quelle gibt, stimmt heute jedoch insofern nicht mehr, als seitens des „Verschönerungsvereins“ der Zugang zur Quelle dadurch bedeutend erleichtert worden ist, daß jetzt ein bequemer Weg bis dahin führt.
„Eines Waldes Dickicht“, schrieb 1829 Dr. Monheim weiter, „Gesträuch und Felsen, unwegsame, unsichere Pfade nehmen den von Staunen ergriffenen Wanderer auf, und jeder Schritt über Steine und Baumwurzeln muß nun schon sorgsam erwogen werden. Hart daneben inzwischen tobt von Felsen zu Felsen herabstürzend der hoch vom Gebirge fallende Bach. Endlich gelangt man, nicht ohne Schwierigkeiten, zu den Ufern eines rauschenden Waldbaches, der durch verschiedene Krümmungen zu einer einsamen, mit Strauchwerk bewachsenen, tiefen Felsenschlucht führt. Hier nun, durch das sich immer mehr verengende Thal behutsam fürderschreitend, wird plötzlich der Blick durch eine seltsam gruppierte Felsenmasse gefesselt, von welcher der Waldbach viele Fuß hoch mit Brausen herabstürzt und aus deren flacherem Abhange dicht nebeneinander drei Mineralquellen entspringen, denen man der Vertiefungen wegen, die sie sich im Felsen ausgewühlt haben und weil eine derselben die Form eines kleinen Bottichs (cuve) hat, den Namen „Pouhons des cuves“ beigelegt hat. Hier nun entkeimen den schöpferischen Felsenritzen Milliarden von Gasbläschen unter stillem Geräusche, während nebenan, aus gemeinschaftlichem Felsen, auch gewöhnliches Wasser mit tobendem Ungestüm sich hervordrängt. Diese höchst imposante Szenerie in des Waldes dunkelstem Grunde, beim Anblick von drohenden Felsen und Trümmern der Vorzeit, ergreift mächtig den stillen Forscher der Natur um so mehr, wenn plötzlich von heftigem Gewitterregen hier überfallen und dadurch vom Rückwege abgeschnitten, er bis nach Ablauf der Gewässer in der nahe gelegenen Felsenhöhle sein Heil suchen muß, und er von hier aus das furchtbar schöne Schauspiel genießt, wie plötzlich aus dem Flußbette das Wasser in reißenden Strömen sich erhebt, dann unter schrecklichem Brausen unaufhaltsam aufwärts steigt und nun alle Mineralquellen mit einem Male gänzlich überzieht und gleichsam vergräbt.“
Bevor die Warche das Thal von Bévercé erreicht, durchläuft sie eine enge und tiefe Gebirgsschlucht, in welcher sich ⁷⁄₄ Stunden von der Stadt entfernt die interessante Ruine Reinhardstein befindet. Um sie zu erreichen, schlägt man den Weg ein, welcher östlich von der Stadt nach Chôdes und weiter über einem ausgedehnten Plateau nach Ovifat führt. Die höchst pittoreske Lage der Ruine lohnt den Wanderer für seine Mühen. Man kann auch von Weismes aus über Bruyères nach Robertville gehen und von dort die Ruinen zu erreichen suchen. Ueber die Geschichte der Burg teilt Hermann Rehm Folgendes mit:
Graf Reichard von Weismes, Erbmeier dieser Grafschaft, hatte einen Sohn Reinhard, welcher die Burg zu Weismes, deren Spuren heute noch nicht ganz entschwunden sind, verließ und sich im Warchethal in einer tiefen Schlucht eine eigene Feste erbaute, welche er Reinhardstein nannte. Er starb im Jahre 1354, und Graf Winquin oder Winguin, sein Sohn, wurde 1358 von dem Abte zu Stavelot mit Reinhardstein belehnt. Auch Winguins Bruder Johann war um das Jahr 1388 Lehnsträger der Burg. Nach des letzterem Tode kam diese als Erbe auf seine Tochter Maria, welche später Johann von Zevel oder Zievel heiratete. Diesem übertrug im Jahre 1430 der damalige prunkliebende Abt von Stavelot-Malmedy, Johannes von Goeussain, die Herrschaft Reinhardstein zum Lehen. Durch Erbfolge ging die Burg in den Besitz der Familie von Metternich über, die sie jedoch in den Wirren der französischen Revolution einbüßte. Es trat nun ein häufiger Wechsel im Besitze der Burg ein, welcher zur Folge hatte, daß dieselbe zum größten Teil abgebrochen wurde. Heute sind die Herren Dr. Nouprez und Fabrikant Lefèvre in Malmedy Eigentümer der Ruine.