In Malmedy findet man in mehreren alten Gasthöfen, wo man deutsch, französisch oder, wenn’s beliebt, auch wallonisch sprechen kann, eine gute Unterkunft. Ein modernes Hotel wird jetzt dort errichtet. Es gefiel mir bei meinem ersten Aufenthalt so gut in dem behaglichen Städtchen, daß ich im Herbst, wo ich eine Ferienreise durch die Eifel machte, noch einmal dorthin zurückkehrte.
Bevor ich die Stadt und ihre Umgebung beschreibe, auf die Sitten und Gebräuche der Einwohner, die Sprachenverhältnisse usw. eingehe, will ich eine kurze Geschichte der Stadt Malmedy entwerfen.
[1] Dr. Hecking: Die Eifel in ihrer Mundart. Prüm, P. Plaum. 1890.
[2] Das romantische Ourthal. Ein Wanderbuch. I. Das obere Ourthal. Aachen, Jgn. Schweitzer. 1891.
[3] Mit fünf Bildern nach Skizzen von Prof. W. Altenburg, einem Tourenverzeichnis und einer Karte. Köln, J. P. Bachem.
II.
Aus Malmedys Vergangenheit.
Malmedy, der Hauptort der preußischen Wallonie, hat bis jetzt keinen deutschen Geschichtsschreiber gefunden. Die Vergangenheit dieser Stadt bietet aber schon deshalb ein besonderes Interesse, weil noch jetzt dort das Wallonische und Französische vorherrschend sind, obschon Stadt und Umgebung bereits seit Anfang dieses Jahrhunderts zu Preußen gehören. Die jetzigen Verhältnisse in Malmedy sind wirklich sehr merkwürdig. Die Bewohner der Stadt und einer Anzahl benachbarter Ortschaften sprechen unter sich wallonisch; viele beherrschen auch die französische Schriftsprache sehr gut. Daneben ist, besonders in den letzten Jahrzehnten, das Deutsche aufgekommen, nachdem diese Sprache in der Volksschule eingeführt wurde. Wir wollen im Nachfolgenden einen kurzen Rückblick auf die Vergangenheit Malmedy’s werfen; es wird uns dann auch manches erklärlich, was uns sonst ein Rätsel bleiben würde.
Malmedy war von jeher mit dem bei Belgien verbliebenen Stavelot (Deutsch: Stablo) ethnographisch und geschichtlich verbunden. Deshalb sind die Beziehungen zwischen beiden Städten trotz der politischen Trennung immer sehr lebhaft geblieben. Die Geschichte Malmedy’s schildern heißt auch die Stavelot’s erzählen, denn beider Geschichte war bis zum Beginn unseres Jahrhunderts eng verbunden. Nur die besonderen Ereignisse in Stavelot, die keine Rückwirkung auf die Abtei ausübten, lasse ich unberücksichtigt.
Zu der nachfolgenden kurzen Geschichte von Malmedy habe ich hauptsächlich die Werke der beiden de Noüe benutzt, besonders: „Etudes historiques sur l’ancien pays de Stavelot et Malmédy, par Arsène de Noüe, docteur en droit“[4] und „La Législation de l’ancienne principauté de Stavelot-Malmédy, par Paul de Noüe, docteur en droit, référendaire de régence, membre correspondant de l’Académie d’archéologie de Belgique“[5].