Vor dem Eingangstor der Villa Granada verabschiedeten sich die Knaben von den Mädchen. Die bewaffnete Schar drang nun in den Garten ein, vorüber an dem kleinen efeubesponnenen Pförtnerhäuschen, dessen Bewohner ihnen mit Erstaunen nachsahen.
Hansens Gesichtsfarbe wurde jetzt blässer. Die Augen saßen tief in ihren Höhlen. Seine Nase schien spitz geworden. Nur die Lippen hielt er fest zusammengepreßt mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck. Theobald, der Leiter der Bewaffneten, räusperte sich zuweilen und warf seinen Kopf herausfordernd in den Nacken, als stehe er bereits an der Anklagestätte. Christoph schritt am kecksten einher. Sein spanisches Rohr flitzte zuweilen pfeifend durch die Luft, als wittere es bereits die Granadasöhne.
Ein gutes Stück hinterher trottete Henner. Ihm war die hohe Aufgabe zuteil geworden, den Korb mit dem Jockel zu tragen. Zärtlich schmiegte er sein Ohr an das Geflecht des Korbes und flüsterte mit sanfter Stimme: „Jockerl, sei still, gutes Tier, sei still. Unser aller Rettungsengel bist du. Unser lieber, guter Jockerl. Denen wollen wir mal Mores lehren, gelt? Ich werde dich herausnehmen, wenn’s Zeit ist.“
Und als sei der Knabe bereits bei dem Onkel angelangt und walte seines Amtes, so begann er jetzt an dem Verschluß des Korbes zu zerren, zu rütteln und zu heben. Der Deckel sperrte sich. —
„Das verflixte Ding,“ grollte er, zerrte heftiger und riß plötzlich den ganzen Deckel weit auf. — Es rührte sich im Korb. Heraus sprang der Jockerl und jagte davon.
„Er ist fort,“ schrie da gellend sein Wächter, „er ist fort!“
Die vier Helden vor ihm fuhren wie von der Kugel getroffen herum.
Hans fiel vor Schreck der Eichenknüppel aus der Hand.
Theobald, der in Gedanken gerade zu seinem Onkel gesagt hatte: „Angesichts des Eichhörnchens ist Hansens Unschuld erwiesen, so rein, so sonnenklar, so hell wie der Tag,“ stürzte laut schreiend auf seinen Bruder los. „Unglücklicher, was hast du gemacht!“ rief er. „O du jämmerliches Trampeltier, einfältiger Eselskinnbacken! Käsweiser Rabenvater! Was jetzt? Was jetzt?“