Theobald, der sich ebenfalls für die Mumie interessierte, erklärte eines Tages, er werde, um allen Streitigkeiten ein für allemal ein Ende zu machen, hingehen und die Mumie rauben.

„Theobald, das tust du nicht,“ rief Toni mit erschrecktem Gesicht. „Du weißt doch, Frau Cimhuber verachtet dich. Wie kannst du es wagen, ihr Haus zu betreten?“

„Abwarten,“ entgegnete Theobald, „die Sache will überlegt sein.“

Inzwischen kam der Tag immer näher heran, an dem der Missionar erwartet wurde. Immer aufgeregter wurde Frau Cimhuber, und eines Morgens da konnte sie sich endlich, endlich sagen: „Heute kommt mein Sohn.“ Hoch schlug ihr Herz, und immer wieder suchte sie das Zimmer auf, das zu seinem Empfang bereitet war. — Es war Susens Zimmer, das der Missionar in seiner Kindheit bewohnt hatte und das er jetzt wieder beziehen sollte. Drum war das kleine Mädchen in ein Gemach neben der Negerstube verbannt worden.

Ein Waldstrauß, den die Kinder am Sonntag mit Ursel geholt hatten, schmückte Herrn Edwins zukünftiges Reich. Die Mullgardinen am Fenster leuchteten blütenweiß, und in der Ecke stand ein kleiner Schrank, der angefüllt war mit den Spielsachen aus des Missionars Kinderzeit. An Frau Cimhubers Seite durften sich die Doktorskinder das festlich geschmückte Zimmer betrachten. Ihre leuchtenden Augen flogen bewundernd durch den Raum, und Suse sagte leise vor sich hin: „Wie an einem Weihnachtsfest so schön ist’s hier.“

Die Pfarrfrau küßte sie und sagte leise: „Mein liebes, liebes Kind.“

Geschmeichelt fuhr das kleine Mädchen fort: „Ach, wenn wir doch so artig wären, wie Ihr Sohn gewesen ist, nicht wahr, Frau Pfarrer? Dann hätten Sie mehr Freude als jetzt. Dann würden Sie sich niemals über uns ärgern.“

Die alte Dame strich Suse liebkosend über den blonden Scheitel.

Hier runzelte Hans die Brauen und sagte seiner Schwester etwas später erzürnt: „Du wolltest dich natürlich bei ihr anschmusen, alte Schmeichelkatze; ich merkte es wohl. Schäme dich. Gepiepst hast du, als könntest du keine drei zählen.“