Suse mußte an ihren Zeichenlehrer denken, den alle Mitschülerinnen sehr häßlich fanden. Dem sah Herr Edwin ähnlich. Konnte er’s denn sein?

Hans stieß seine Schwester an und sah ihr bedeutungsvoll in die Augen. Susens Herz zog sich immer mehr zusammen und schmerzte sie wie von lauter kleinen Glassplittern angeritzt.

„Rappeldürr wie ein Fenchelstock ist der Edwin,“ brach endlich Theobald das Schweigen. Entrüstet fuhr Toni auf: „Dummes Geschwätz. Über einen Missionar spottet man nicht. Vater sagt auch, du bist der grünste Junge, der ihm vorgekommen ist.“

Eine Zornesröte stieg Theobald in das Gesicht. — „Weil du mich so abkanzelst,“ rief er, „werde ich mich rächen. Ich breche heute noch bei Frau Cimhuber ein und mache mich an die Mumie ran.“

Alle durchfuhr ein Schreck.

„Nein, Theobald, das tust du nicht,“ rief Toni. Auch Suse wollte zürnen. Aber in ihrem Herzen lockte plötzlich der Versucher: „Theobald hat recht. Gewiß, er hat recht. Eine Enttäuschung habt ihr schon erlebt. Nun sollt ihr wenigstens eine Überraschung haben, eine freudige Überraschung. Nur Mut, nur nicht so kleinlich.“

„Toni,“ stotterte sie da, „Toni, am Ende ist es keine Sünde. — Eine Mumie ist doch nicht wie ein gewöhnliches Paket aus Europa. Das ist doch was Außergewöhnliches.“

„Ich leid’ es auf keinen Fall, Suse.“

„Wir wollen’s ja nur begucken, nur einmal schnell angucken,“ drängte Suse. „Du hast ja selbst gesagt, Toni, der gebildete Mensch muß wissen, wie eine Mumie aussieht.“

„Natürlich gehen wir ihr an den Kragen,“ rief Theobald laut dazwischen.