Aber schon nach einer Weile wurde es im Nebenzimmer wieder laut: eine Geige wurde gestimmt, und gleich darauf begann ein wunderschönes Spiel.

Der Missionar geigte.

„Er spielt,“ sagte Suse verklärt, und ihr ganzes Gesicht leuchtete. Ihr Vorbild war also doch etwas Besonderes und überstrahlte die andern Sterblichen. Er spielte so schön, wie sie es noch nie gehört hatte.

„Hans, horch,“ flüsterte sie und faßte ihn am Arm, „horch.“

Aber es bedurfte dieser Aufforderung nicht. Hans stand da mit gänzlich verändertem Gesicht. Auch ihm kam es vor, als habe er noch nie jemand so schön spielen hören.

Selbst Theobald lauschte erstaunt und meinte: „Das kann doch nicht Herr Edwin sein.“

In diesem Augenblick machte Toni ein Zeichen Und wies auf ein Loch oben in der Wand, durch das einmal ein Klingelzug geführt hatte, und das unverschlossen geblieben war. Dort konnte man durchsehen. Sofort schleppten die beiden Mädchen einen Tisch herbei, kletterten darauf und spähten in das Zimmer nebenan.

„Und ist sein Antlitz auch noch so verbrannt, das Mutteraug’ hat ihn doch gleich erkannt,“ deklamierte Toni leise vor sich hin; denn im Nebenzimmer bot sich ihr ein rührendes Bild.

Im Lehnstuhl saß mit gefalteten Händen die Mutter des Missionars, wandte kein Auge von ihrem Sohn und achtete nicht der Tränen, die in ihren Schoß fielen. Ihr Kind spielte immer schöner mit einem weltentrückten Ausdruck, und nur von Zeit zu Zeit streifte ein leuchtender Blick seine Mutter.

Inzwischen waren auch Hans und Theobald auf den Tisch gestiegen und drängten ihre Köpfe zwischen den beiden Mädchen durch. Keiner sagte ein Wort. Alle lauschten atemlos. Schließlich brach der Missionar sein Spiel ab, legte seine Geige vorsichtig auf das Klavier und sah sich nach einem Stuhl um.